„Ich hab mir nix Unrechts denkt dabei.“ Friedl setzte sich wieder auf die Bank, hob die Milchschüssel auf die Knie, zog ein Stück Brot aus der Joppentasche und brach es in kleine Stücke, die er in die Milch warf und mit dem Löffel herausaß. Es schien ihm nicht zu schmecken. Und das Essen mußte für ihn eine harte Arbeit sein. Ein ums andre Mal fuhr er sich mit dem Ärmel über die Stirn. Dabei spähte er immer zu Modei hinüber, die zwischen Herd und Kammer hin und her ging, um die gespülten Milchgeschirre zu verwahren. Und plötzlich fragte er: „Wie geht’s denn deim Büberl?“
„Ich dank schön, gut!“
„Is a liebs Kindl! Wie ich ’s letztmal draußen war in Lenggries, hab ich’s gsehen. Gsund und rund wie an Apfel. Und ’s ganze Köpfl voll braune Schneckerln. Wie alt wird’s denn schon sein?“
„Auf d’ Fasnacht wird’s zwei Jahr.“
Friedl nickte. „D’ Almkinder kommen allweil um d’ Fasnacht rum auf d’ Welt. ’s Fruhjahr auf der Alm hat halt so ebbes. Da muß der Mensch nachgeben.“ Eine Weile schwieg er. „’s Büberl wird wohl gut aufghoben sein bei dö Leut, die’s in Pfleg haben?“
„Da muß ich glauben dran.“ Das war ein schwerer Seufzer. „Viel zahlen kann ich net. Vater und Mutter hab ich nimmer. Heimat hab ich auch keine. Bei der Arbeit auf der Alm kann ich ’s Kind net haben. Was will ich denn machen?“ Müder Kummer sprach aus ihren Augen, als sie nun schweigend stand und zum Fenster hinausblickte.
Friedl erhob sich. „Madl! Schau, mei’ Mutter hat drunt in Fall ihr kleins Häusl, in dem s’ allein umanandwurstelt. Viel Plag macht ihr dös bißl Hauswesen net. Und da hat s’ allweil Zeitlang. Wie wär’s, Modei, wann ihr dein Büberl in Pfleg geben tätst? D’ Mutter hätt a damische Freud damit.“
Schweratmend ließ Modei die Hände fallen und stand unbeweglich.
Mit zerdrückter Stimme sagte Friedl: „Was die Kösten anbelangt – mein, was braucht denn so a Schnaberl, so a kleins? D’ Mutter tät’s wegen der Freud. A Kindl is allweil ’s Liebste, was man haben kann. – Modei? Was meinst?“
Langsam hatte Modei das Gesicht gewandt und sah dem Jäger lang in die Augen. Ein leichtes Rot stieg ihr in die Wangen. Dann schüttelte sie den Kopf mit dem leisen Wort: „Ich dank dir schön!“