Über das Gesicht der Alten huschte das Grinsen einer holden Freude. Verschämt begann sie mit der Schürze zu spielen. „Geh weiter! Jesses! Freilich ja, dreißg Jahrln wann ich jünger wär!“ Sie guckte an sich hinunter. „Und ausschauen tu ich, o mein, o mein!“ In dem Bestreben, etwas weiblicher zu erscheinen, streifte sie flink die blaue Zwilchhose hinunter und schüttelte die Röcke. „Ja, a fünfazwanzg, bloß a zwanzg Jahrln jünger! Und a gute Glegenheit! Da kunnt ich net einstehn dafür, ob ich festbleiben tät. Freilich, ’s Unschuldskranzerl is ebbes wert. Aber du gfallst mir! An Burschen, wie du einer bist, gibt’s kein’ zweiten nimmer. So viel gute Eigenschäften hast, daß ich vierazwanzg Finger haben müßt zum Aufzählen.“
Ein kurzes Lachen klang vom Herd herüber. „Geh, lob ihn net gar a so! Andere Buben sind auch noch ebbes wert!“
„Waaaas hast gsagt?“ fuhr die Alte wütend auf. „Ah na, so ebbes därfst fein von mir net glauben! A bißl alt bin ich freilich. Aber sittenbestrebsam bin ich leider Gottes noch allweil gwesen.“
„Drah dich um, Punkl!“ rief Friedl lachend. „Dösmal hast auf der falschen Seiten ghört!“
„Was hast gsagt? Ah na! So ebbes laß ich mir net gfallen!“
Friedl zog sie am Arm zu sich herunter und schrie ihr ins Ohr: „D’ Modei hat ’s Allerbeste gredt von dir. An Ausbund von aller Tugend hat s’ dich gheißen. Is schon wahr! Dir hat’s der Landrichter zuprotokolliert, daß d’ amal von sechs weiße Jungfern tragen wirst, wann d’ auffifluderst ins Himmelreich.“
Die Alte wurde dunkelrot vor Ärger. „So? So?“ schrie sie auf die junge Sennerin ein. „Freilich, wann du amal stirbst, da mußt dich z’erst für dein Kind um an Vatern umschauen. Damit ein’ hast, der dir’s letzte Hemmed zahlt!“ Sie fuhr zur Tür hinaus, und eine Weile noch klang ihre scheltende Stimme herein in die Stube.
Bleich, an allen Gliedern zitternd, lehnte Modei an der Herdwand. Und als das Schelten und Kreischen da draußen verhallte, schlug sie den Arm vor die Augen, und ein krampfhaftes Schluchzen erschütterte ihre Brust.
Auch aus Friedls Gesicht wich alle Farbe, als er die Folgen seines harmlos gemeinten Spaßes erkannte. „Himmel Herrgott –“ knirschte er vor sich hin. Ratlos stellte er die Milchschüssel fort, ging auf Modei zu und versuchte ihr den Arm vom Gesicht zu ziehen. „Geh, tu dich net kränken, weil die narrische Nocken im Zorn ebbes Unguts daherplauscht hat! Schau, in eim Viertelstündl weiß dö alte Hex ja nimmer, was ihr übers Radl glaufen is.“
Ruhig befreite Modei ihren Arm. Dann sagte sie, schon wieder bei der Arbeit: „Was hast aber auch mit so einer unsinnigen Red daherkommen müssen!“