„Allweil kommst mit söllene Wörtln, die gar net herpassen.“ Blasi trat auf sie zu und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Jetzt sei a bißl gscheid und nimm’s net gar a so schiech!“ Modei, zusammenschauernd, zog die Schulter von seiner Hand weg. „Es muß amal sein“, sprach Blasi weiter, „mein Vater hat’s ausgmacht. Ich kann net anders. Fürs Kind sorg ich schon. Auf Ehr und Seligkeit! Wann mir der Vater amal übergeben hat, bin ich der Herr. Da kann der Alte sagen, was er mag. Aber jetzt hat er halt den Leitstrang noch allweil in der Hand. Und ich muß ducken. Dös kannst doch net verlangen, daß ich mich mit Vater und Mutter verfeind.“

„Da hast recht, dös wär z’viel verlangt.“ Sie ging zum Herd und stieß ein paar Scheite ins Feuer. Die Flamme prasselte und wuchs.

„No also, schau! Da kannst mir jetzt grad amal dei’ Lieb beweisen. Gelt, bist gscheid und unterschreibst? Und tust mir noch den letzten Gfallen.“

„Den letzten, ja!“ Das sagte sie ruhig. Dann legte sie das Blatt auf die Randsteine des Herdes, netzte an den Lippen die Bleistiftspitze an und setzte zum Schreiben an.

„Schwester! Tu’s net!“ klang durch das Fenster die Stimme ihres Bruders.

Wütend ballte Blasi die Fäuste. „Allweil der wieder!“

Modei wandte das Gesicht zum Fenster, strich mit dem Arm das Haar aus der Stirne, senkte den Kopf und schrieb mit fester Hand unter die letzte Zeile ihren Namen: Maria Meier. Tief atmend, richtete sie sich auf und reichte dem Burschen das Blatt und den Bleistift. „Da! Nimm!“

Hastig griff Blasi zu. Die Freude glänzte in seinen Augen, als er das Blatt sorgsam zusammenfaltete und in die Joppentasche steckte. „Vergelts Gott, Schatzl! Du bist halt die Richtige! Du bist die einzig, die mir gfallt. Und wann ich jetzt auch die ander haben muß –“ Lachend umschlang er sie. „Zwischen uns zwei kann’s allweil so bleiben, wie’s war!“

Da stieß ihn Modei mit den Fäusten vor die Brust, daß er taumelte. „Pfui Teufel!“ Aller Zorn und Ekel, den sie fühlte, war im Klang dieser beiden Worte. Dann konnte sie ruhig sagen: „Zwei lange Jahr hast braucht, bis ich dich mögen hab. Und mit zwei kurze Wort hast es fertigbracht, daß d’ mir zwider bist bis in d’ Seel eini!“ Ihre Stimme wurde hart. „Schau, daß d’ aussikommst! Mir graust!“

Blasi lachte. „So, so? No, mir kann’s recht sein! Da brauch ich mir grad kein’ Fürwurf machen.“ Er setzte den Hut auf, griff nach Bergstock und Rucksack, und als er auf der Schwelle stand, rief er spöttisch über die Schulter. „Pfüe Gott, du! An andersmal!“ Pfeifend ging er davon.