„Gelt ja! Fürs Kindl!“ Er lachte. „Und a bißl für mich – daß ich mich net allweil vor’m Vater fürchten muß.“ Aus der Brusttasche seiner Joppe zog er einen Bleistift hervor und ein zusammengefaltetes Blatt Papier. „Da hab ich ebbes Schriftlichs mitbracht – jesses, jetzt is dös Luderspapierl auch ganz naß worden!“ Er schlug das Blatt auseinander und strich es auf seinen Knien glatt. „Macht nix, lesen kann man’s schon noch! Und gelt, Schatzl, dös tust mir z’lieb und tust dich da unterschreiben. Ich hab dir an gspitzten Bleistift mitbracht.“
„Ja, komm, dös haben wir gleich.“ Modei nahm das Blatt und begann zu lesen: „Erklärung. Ich Endesunterzeichnete –“
Er lachte: „Geh weiter, dös brauchst dir gar net anschaun, bloß unterschreiben mußt.“ Dazu ein Kuß auf Modeis Wange.
Sie wehrte ihn lächelnd von sich ab. „Na, na, der Mensch muß allweil wissen, was er unterschreibt.“ Sie las mit halblauter Stimme: „Ich Endesunterzeichnete erkläre, daß der Bauerssohn Blasius Huisen mit meinem Kind, genannt Franzerl, gar nix zum schaffen hat, indem er der Vater nicht ist und auch nix zum zahlen hat.“ Die Hände, die das Blatt hielten, fielen ihr wie gelähmt in den Schoß. Stumm, mit ratlosen Augen sah sie ins Leere. Dann nickte sie vor sich hin. Wieder hob sie das Blatt vor die Augen. Beim Flackerschein des Kienlichtes tanzten die Buchstaben durch ihre Tränen. „Der Vater nicht ist – und auch nix zum zahlen hat.“
„Weißt, Herzerl, dös letzte, vom Zahlen, dös steht bloß a so da. Zum bedeuten hat dös nix. Drum geh, sei gscheid und tu mir den Gfallen!“ Blasi schob ihr sanft den Bleistift zwischen die Finger. „Schau, ich tu dir alles z’lieb, was d’ willst. Aber gelt, dös Papierl unterschreibst mir! Ja?“ Er atmete schwül und fuhr sich mit den Händen durch die schwarzkrausen Haare. So erwartungsvoll hing sein Blick an dem Gesicht des Mädels, daß er übersah, wie der Fensterladen sich um einen handbreiten Spalt öffnete, durch den ein funkelndes Aug in die Stube spähte.
Modei hob das entstellte Gesicht. „Blasi? Du willst heireten? Gelt? An andre!“
„Kreuz Teufel –“ Das Blut schoß ihm in die Stirn, und wütend trommelte er mit den Fingern auf die Knie. „No ja, meintwegen – amal muß ich’s allweil sagen!“ Er schlüpfte in seine Joppe. „A bißl nässelen tut s’ noch allweil. In Gottsnamen, muß ich’s halt derleiden.“
Modei stand auf und wischte mit der Schürze über das Blatt, als wären Tränen draufgefallen. Sie wollte zur Bank hinüber. Von einer Schwäche befallen, klammerte sie sich an eine Kreistersäule.
„Was is denn?“ fragte Blasi verdutzt.
„Nix! – An mein Kind hab ich denkt.“