„Ah was!“ klang es von droben. „Ich steig gleich da übers Wandl abi! Komm her, Bürschl!“ Das braune Gesicht dort oben verschwand. Dann kam die ganze Gestalt des Jägers an einem Felseinschnitt des Grates zum Vorschein. Erst warf er seinen Bergstock herab, der unten mit der Spitze tief in den Sand fuhr. Nun betrat er selbst den steilen Weg. Die Büchse über dem Rücken, und Brust und Wange eng angedrückt an die Felswand, so klomm er langsam herunter, mit den Füßen immer vorsichtig voraustastend nach einer Steinecke oder einer Wandschrunde; aus seinem Rucksack guckte dabei der weiß und schwarz gesprenkelte Kopf seines Hundes heraus, der den Hals reckte und unruhig in die Tiefe blinzelte.

Als Anderl unten anlangte, schüttelte er Bennos und Friedls Hand und zog den Bergstock aus dem Sande. „Geh, sei so gut und nimm mir den Bürschl aus’m Rucksack!“ Friedl faßte den Hund an der Nackenhaut und zog ihn lachend an die Luft. „Is dir a bißl grausig z’mut worden, Bürscherl?“ Er setzte den Hund auf die Erde und klopfte ihm schmeichelnd den Rücken; es war ein schönes, zierliches Tier; freudig winselnd, sprang es an Friedl hinauf und schmiegte den Kopf an seinen Schenkel; man sah es dem Hunde an, wie wohl ihm die Liebkosung tat. „Du, dein Bürschl hat’s aber gern, wann einer gut mit ihm is! Mir scheint, der kriegt bei dir mehr Schläg als z’essen!“

„Da kannst recht haben! Mit Jagdhund und Weiberleut is auf d’ Läng kein Auskommen, wann s’ einer net durchhaut alle Täg.“

„Geh, mich dauert er, der arme Kerl! Schau, da hätt er an mir an bessern Herrn!“

„Kannst ihn gleich haben, wann d’ ihn magst! Vierzg Markln, und der Handel is fertig.“

„Gilt schon!“ rief Friedl und streckte dem Jäger die Hand hin.

„Und ich zahle die vierzig Mark“, fiel Benno ein, „wenn er den Bock findet. Kann er was, der Hund?“

Beleidigt fuhr Anderl auf. „A meiniger Hund? Ob der ebbes kann? Der versteht mehr von der Jagerei als wir alle drei mitanand. Da können S’ an zweiten suchen, Herr! Aber wissen S’, ich bin so a vergrimmts Luder, ich muß mich mit dem Hund schon ärgern, wann er nach einer Fliegen schnappt. Drum is besser, ich gib ihn weg. Ich tät ihn noch amal in der Wut derschlagen. Da wär doch schad drum.“

„Gelt, Bürscherl, wir zwei kennen uns schon!“ schmeichelte Friedl, während er dem Hund die Leine um den Hals legte. Längst hatte Bürschl der Gemsfährte zugewindet, und als ihn Friedl an die Felswand führte, senkte der Hund die Nase, zog die Leine straff und spürte über das Geröll hin. Benno und Anderl stiegen hinter Friedl her, und je weiter sie die Fährte den Berg hinunter verfolgten, um so häufiger und stärker wurden die Schweißspuren, um so hitziger wurde der Hund. Endlich hielten sie vor einem wirr verwachsenen Latschendickicht, das ein weiteres Vordringen der Jäger unmöglich machte. Friedl ordnete an, daß Anderl zur Felswand zurücksteigen, Benno aber den bequemeren Weg einschlagen, das Dickicht von unten umgehen und sich dort auf einer Lichtung aufstellen sollte, die er ihm genau bezeichnete. Es dauerte eine geraume Weile, bis Friedl den Pfiff hörte, der ihm Bennos Eintreffen auf seinem Platz anzeigte. Fiebernd und winselnd hatte Bürschl an der Leine gezogen, und als er nun gelöst wurde, sprang er mit langen Sätzen in das Dickicht. Kaum eine Minute war verflossen, als der Hund schon Laut gab; dann polterten Steine, Äste knackten, ein paarmal sah Friedl den Kopf des Gemsbockes im Sprung über die schwankenden Zweige herauftauchen; dazwischen klang das helle Geläut des Hundes; jetzt krachte drunten, wo Benno stand, ein Schuß, und über die Felswand rollte das Echo her. Nun war alles still. Dann hörte Friedl das Läuten des Hundes weit da drüben, wo unter hohen Fichten die weißen Holzwände der neuen Jagdhütte herüberblinkten.

„Zum Teufel noch amal!“ Friedl sprang, die Büchse in der Hand, hinunter zu Benno. „Was is denn, Herr Dokter?“