Als sie den Schneefleck erreichten, auf dem der Bock gelegen, untersuchte Friedl auf das genaueste die Lagerstatt und die Fährte, konnte aber weder ein abgeschossenes Haar entdecken noch eine Spur von Schweiß. „Schauen S’ selber, Herr Dokter! Nix is!“ brummte er. „Jetzt schamen S’ Ihnen aber! Der is daglegen – mit’m Hut hätt man ihn umwerfen können!“

Benno wollte nicht glauben, daß er einen so schlechten Schuß getan. Ärgerlich glitt sein Blick über Schnee und Geröll, und langsam stieg er am Fuß der Felswand den Weg entlang, den der Bock auf seiner Flucht genommen hatte. Plötzlich neigte er sich gegen einen vorspringenden Felsen und stieß einen Juhschrei aus. „Friedl! Da ist Schweiß! Ein Tropfen! Ganz frisch!“

Flink sprang der Jäger herbei und sah in halber Mannshöhe vom Boden einen roten Tropfen am Felsen hängen. „Was dös für a Schuß is, dös kann ich bei Gott net begreifen! Wann’s a Streifschuß auf der Seiten wär, hätten wir am Schnee ebbes finden müssen. Also müssen S’ ihn am Kreuz troffen haben. Sonst kunnt auch der Schweißtropfen net so weit in der Höh sein. Aber nacher wär der Bock am Platz blieben, oder ich hätt sehen müssen, daß ihm ebbes fehlt. Freilich, so a Bock hat oft a Leben, zaacher als a Katz. Sakra, sakra! Wie sollen wir jetzt den Bock finden?“

Da klang eine lachende Stimme über die Felswand herunter: „Friedl, was machst denn da?“ Ein braunes, bärtiges Gesicht neigte sich über den Absturz heraus.

„Jeh, Anderl! Grüß dich Gott! Wie kommst denn du daher?“ rief Friedl hinauf.

„Den Schuß hab ich ghört und bin drauf zugangen. Es kunnt ja sein, daß wer andrer gschossen hätt.“

„Wer ist das?“ fragte Benno.

„A Jagdgehilf von der Hinterriß, der Anderl!“ erwiderte Friedl. Dann rief er in die Höhe: „Hast dein’ Hund bei dir?“

„Ja!“

„Dös is gscheid! Da kannst uns an Gamsbock suchen helfen. A paar hundert Schritt weiter vorn is a guter Abstieg.“