Nun ein Laut wie das Klirren einer Messerklinge, die auf Stein fällt. Und hinter dem Astgewirr eines Latschenbusches gewahrte Friedl einen beweglichen weißen Schimmer. Es konnte nicht anders sein: dort auf der Erde kniete einer, der die Joppe abgelegt hatte und mit den Händen an einem Etwas hantierte, das vor ihm auf dem Boden lag. Wer war das? Ein deutliches Erkennen war durch die Büsche hindurch nicht möglich – aber eine Ahnung, nein, eine untrügliche Stimme nannte dem Jäger den verhaßten Namen.

Rasch entschlossen hob Friedl die Büchse. Schon wollte er die Lippen öffnen zum Anruf, da klang aus dem Busch das Röcheln eines verendenden Tieres. Heulend machte Bürschl einen wilden Satz und überschlug sich im Rückprall der Leine. Friedl wankte. Taumelnd faßte er, um nicht zu stürzen, nach einem Ast. Hinter den Latschen da drüben tauchte ein Kopf herauf und ein Büchsenlauf – ein Blitz, ein Knall – und Friedl spürte ein Brennen an der linken Wange. Er fuhr mit der Hand ins Gesicht und fühlte das Blut, das zu rinnen begann.

Dort drüben brachen die Äste, und die Steine kollerten unter den Füßen des Raubschützen, der in wilder Flucht den Berghang hinunterstürmte.

Noch einen Augenblick stand Friedl regungslos. Dann riß er das Messer aus der Tasche, durchhieb mit einem Streich die Hundleine, in deren Schlinge Bürschl sich würgte. Winselnd sauste der Hund den Büschen zu, und Friedl stürmte, seiner nackten Füße nicht achtend, durch den Wald hinunter, in dem die Sprünge des Flüchtigen verhallten.

Hinter Modeis Hütte saßen sie alle beisammen

Hinter Modeis Hütte saßen sie alle beisammen, denen Friedl sein lustiges Lied gesungen hatte. Freilich, mit dem Jäger war auch der rechte Frohsinn verschwunden. Die Art seines Abschiedes hatte allen zu denken gegeben. Aber keines sprach seine Meinung offen aus. Immer wieder stockte das Gespräch – und als Gori auf der Zither ein paar altersgraue Schnaderhüpfeln zum besten gab, fand er wenig Anklang.

Modei war verloren für jede Unterhaltung. Kaum vermochte sie die Unruhe zu verbergen, die an ihr nagte. Unter dem Vorwand, den Tisch zu räumen oder was zu holen, verließ sie immer wieder ihren Platz. In der Almstube stand sie klopfenden Herzens vor der Kammertür und lauschte, ob nicht das Büberl erwacht wäre – oder sie trat geräuschlos in den kleinen, kühlen Raum, ließ sich auf den Boden nieder, hauchte einen Kuß auf die im Schlummer glühende Wange des Kindes und blieb, bis ihre wachsende Unruh sie wieder aus der Hütte scheuchte. Einmal traf sie an der Hüttenecke mit dem Bruder zusammen. „Lenzl!“ stammelte sie. „Ich halt’s schier nimmer aus vor lauter Angst.“

„Was? Angst?“ Seine Stimme hatte harten, fast boshaften Klang. „Um den ein’ oder um den andern?“

Mit ihren trauernden Augen sah sie ihn schweigend an, tat einen schweren Atemzug und ging zurück in die Hütte.

Unter leisem Lachen streckte sich der Alte, hob die Fäuste und knirschte gegen die Berghöhe: „Wart, Mannderl! Heut kunnt der Tanzboden ebba noch ausrucken!“ Wie ein Erwachender sah er um sich her und murmelte: „Wo bin ich denn wieder gwesen?“ Beim Kaffeetisch hinter der Hütte fand er einen lustigen Spektakel. Da hatten sie den Veri und die Punkl hintereinander gehetzt. Vor Zorn pippernd, mit den Fäusten rudernd, knirschte die Alte: „Was? Ich, sagst, ich soll schuld dran gwesen sein, daß selbigsmal vor a zwanzg a dreißg Jahr mit uns zwei nix füranand gangen is? Ah na! Ah na!“