„Laß mir mei’ Ruh!“ knurrte der Nachtwächter von ehemals.
„Ah na! Ich bin allweil a verstandsams Weiberleut gwesen. Ich hab allweil begriffen, was für a kostbars Gut die Gsundheit is. Aber du warst der Unverstand. Du Leimsieder, du gsundheitsfeindlicher! Gar net a bißl ebbes hast dir traut. Gar nix, gar nix, noch viel nixer als gar nix. Mach Reu und Leid und sag aufrichtig, ob’s wahr is oder net!“
„Ah!“ Diese erbitterte Verneinung aus seiner Torkelseele herausgurgelnd, wälzte Veri sich auf die Seite, vergrub das Gesicht in den Armen und wurde heftig vom alkoholischen Bock gestoßen.
Weil seine Schulterstöße anzusehen waren wie das Zucken eines Schluchzenden, verwandelte Punkls Empörung sich in klagende Rührseligkeit. „Gelt, siehst es endlich amal ein, wieviel ich deintwegen leiden muß?“ Mit hohen Gicksern fing sie zu weinen an. „Wann den angstifteten Schaden wieder – gutmachen willst – nacher kann ich auch net so sein – und – in Gotts Namen –“ Während sie schnuffelnd mit der einen Hand über Augen und Nase fuhr, streckte sie versöhnlich die anderen fünf Finger. „Da hast – mei’ Hand – du reumütigs Mannsbild, du!“
Einen galligen Zug in der sonst so zufriedenen Säuferphysiognomie, wackelte der Bekneipte sich mühsam vom Rasen in die Höhe. „Mei’ Ruh laß mir!“ Die leere Kraxe wie ein Kinderwägelchen hinter sich herziehend, taumelte er über den Berghang hinauf.
Entgeistert guckte ihm die Alte nach. Als sie den lustigen Rumor der anderen hörte, drehte sie sich wütend um. „Was is denn jetzt dös für a dumms Glachter? Heut hat er halt a bißl z’viel aufgladen, der Meinig. Wann er morgen sein Räuscherl ausgschlafen hat, so wird er schon mit ihm reden lassen.“
Da gewahrte Monika den Lenzl, der die Hände als Sonnenschirm über den Augen hatte und immer gegen den Bergwald hinaufspähte. „He, du, was speggalierst denn allweil da auffi?“
„Ich? So schauen tu ich halt a bißl – kunnt sein, daß heut noch a Wetter kommt! A grobs!“
„Was? A Wetter?“ lachte Gori. „Geh, du Narr! Aus’m Tirol glanzen die Berg ummi wie Glas. Und die verwunschene Alm schaut her, so weiß wie a frisch gwaschens Jungfernhemmed.“
Alle guckten sie zu der breiten Bergscharte hinauf, durch die aus blauer Weite die Zillertaler Gipfel mit ihrem silberweißen Ferner herüberblickten. Und Philomen fragte: „Was muß denn auf der verschneiten Alm da drüben passiert sein, daß man’s die verwunschene heißt?“