In erregter Heiterkeit antwortete Lenzl: „Dö Gschicht, dö hat sich vor tausend Jahr schon zutragen. Da mußt die Punkl drum fragen. Dö is selbigsmal schon Sennerin gwesen.“

Die Schwerhörige, mit dem Rest der Kaffeekanne beschäftigt, hatte ihren Namen vernommen. „Was hast gsagt?“

Philomen schrie ihr ins Ohr: „Dö Gschicht von der verwunschenen Alm sollst verzählen!“

„Ja, ja, dös is a schöne Gschicht. Tuts enk herhocken! Jaaa, da drüben, wo jetzt der ewige Schnee liegt, da is vor viele hundert Jahr die schönste Alm gwesen. ’s Viech hat glanzt vor lauter Fetten, is kugelrund gwesen und hat Milli geben, ich kann gar net sagen, wieviel!“

Modei kam aus der Hütte. In ihrer quälenden Unruh hörte sie nicht, was am Tisch geredet wurde. Und immer irrten ihre Augen.

„Jaaa, Leutln, auf der selbigen Alm, da sind drei Sennbuben gwesen, einer a gottsfürchtiger, und zwei waren grausame Sünder.“

„Die schlechten sind allweil die mehrern!“ nickte Philomen.

„Was dö alles trieben haben! Dös is gar net zum glauben. Mit Kaaslaibln haben s’ d’ Hütten pflastert aus Übermut, und Kegel habens s’ gschoben mit die Butterballen.“

„Dös hat net weh tan“, meinte Gori, „wann’s dem Kegelbuben auf d’ Füß gangen is.“

Die Punkl hatte sich bekreuzigt um der Sünde willen, von der sie da erzählen mußte. „So haben sie’s trieben, ja! Aber wann a hungriger armer Teufel kommen is, haben s’ Steiner ins Wasser glegt und haben s’ ihm geben als Nachtmahl. Oft hätt so a Verirrter verschmachten müssen, wann ihm der Gottsfürchtige net heimlich a Trumm Kaas zugschoben hätt. Deswegen haben ihn dö zwei Sündhaften wieder gmartert, den Gottsfürchtigen. Und dös hat sich gstraft.“