Herr Heinrich betrachtete den Chorherren ernst und schüttelte den Kopf. Dann sagte er: „Komm, laß uns zur Klause gehen, hier hört man kaum den Klang des eigenen Wortes.“
Er wanderte den Pfad zurück, und Pater Desertus folgte. Vor der Klause ließen sie sich auf die Steinbank nieder. Warm schien die Sonne über ihnen, das gemilderte Rauschen des Wildbachs tönte wie Musik, draußen lag der glatte See, wie grüne Seide schimmernd, und über die steilen Wände, die ihn umzogen, hoben der Wazmann und die sieben Wazmann-Kinder ihre weißen Zinken in das reine Blau des Himmels.
„Ein schönes Plätzchen!“ sagte Herr Heinrich. „Hier bist du wohl gerne?“
„Ja, denn ich lebe und störe doch die Freude keines anderen Menschen. Aber sagt, was führt Euch zu mir?“
„Muß ich nicht zu dir kommen, da du mich zu meiden scheinst?“
„Ich tu es um Euretwillen. Mein Blick verjagt das Lächeln, und Ihr lächelt gerne.“
„Ja, Dietwald, seit ich erkennen lernte, daß Weinen zwecklos ist. Doch lassen wir das. Ich bringe dir einen Gruß.“
Langsam hob Pater Desertus das Gesicht. „So lebt noch ein Mensch, der Ursach hätte, meiner zu denken?“
„Der Kaiser!“
Über das bleiche Antlitz des Chorherren flog eine heiße Röte, und es zuckte durch seine Glieder, als stünde ein Roß vor ihm, das es zu besteigen gälte, als hinge ein Schwert in der Luft, das er fassen müßte. Doch rasch ging diese Regung vorüber; er legte die Hand auf das Kreuz an seiner Brust und sagte mit versinkender Stimme: „Ich danke für den Gruß. Grüßet Herrn Ludwig wieder!“