Haymo sprang auf. Zornig klang seine Stimme. „Gittli! Gib ihr das Kettl wieder! Du brauchst dir nichts schenken lassen.“
„Ich hätt’s auch so nit genommen!“ sagte Gittli ruhig und streckte die Hand. „Da hast du es wieder, ich brauch’s nit, für mich tut’s auch ein Bändl!“
Bis in den Hals war Zenza erbleicht. Einen funkelnden Blick warf sie auf Haymo, einen auf Gittli, dann lachte sie. Mit zornigem Griff packte sie das Kettl, zerriß es, warf Gittli die Stücke ins Gesicht und ging davon, das Mädchen noch einmal streifend mit einem Blick des Hasses.
Zitternd stand Gittli, die Wangen von heißer Röte übergossen, Tränen in den Augen. „Was hab ich ihr denn getan? Ich hab ihr doch nie kein ungutes Wort gegeben. Und jetzt tut sie mich so verschimpfen.“ Sie brach in Schluchzen aus.
„Gittli!“ stammelte Haymo und wollte sie umschlingen. Da kam Frater Severin aus der Herrenhütte, Teller und Becher in den Händen. Er machte große Augen und wollte fragen, wohin die Zenza geraten und was denn geschehen wäre. Nach dem ersten Wort verstummte er wieder und verschwand hurtig in der Tür. Er hatte Herrn Heinrich gewahrt, der von der Höhe niedergestiegen kam, den erlegten Auerhahn am Bergstock über der Schulter tragend.
Haymo stand wortlos und nagte an der Lippe. Gittli, als sie Herrn Heinrich erblickte, bückte sich und las die Stücke des zerrissenen Kettleins von der Erde. Was sie gefunden, reichte sie dem Frater Severin und sagte: „Ich bitt Euch, Frater, wenn Ihr wieder hinunterkommt ins Kloster, so legt das der Jesumutter in den Schrein. Es ist gefunden Gut und will keinem gehören.“
Herr Heinrich war näher gekommen. Er nahm den stattlichen Urhahn vom Bergstock. „Haymo, sieh her, ich habe Weidmannsheil gefunden!“
In Haymo kochte alles, aber er vergaß nicht seiner Jägerpflicht. Von der nächsten Fichte brach er das grüne Ende eines Zweiges, trat vor Herrn Heinrich hin, tauchte den Zweig in den roten Schweiß des Vogels und sagte:
„Vor meinen Herren hin ich tritt,
Mit Weidmannsgruß und mit der Bitt: