„Jetzt hat er’s mitgenommen!“ stammelte sie; aber sie zürnte nicht. „Vielleicht hat er eine Freud dran?“ Und einem, der so viel Schmerzen getragen, war eine Freude zu gönnen. Weib und Kind verlieren müssen, in einer Nacht! Wer hätte mit ihm Erbarmen fühlen sollen, wenn nicht sie? Hatte sie doch Vater und Mutter auch an einem Tag verloren — damals, als im Land das große Sterben umging.
Lange, lange stand sie und blickte dem Chorherren nach, wie er bald im Gewirr der Felsblöcke verschwand, wieder auftauchte, zwischen dunklen Gebüschen sich verlor und wieder erschien.
Der frischer ziehende Abendwind spielte mit ihrem lockigen Haar. Unter ihr im Bergwald rief ein Kuckuck, der erste, der mit dem Frühling gekommen war. Und über den Halden begannen die steilen Wände, zwischen denen der Schnee nur noch in einzelnen Schluchten hing, mit warmer Röte zu glühen.
[17] Alter Weidmannsausdruck für das Herz des Wildes.
[18] Das Mühldorfer Stadtrecht im 14. Jahrhundert bestimmte: „Welleich leicht Weib pagent (zanken) mit den Worten die sie vermeiden sollen, der soll man den pagstein an irn Hals hengen und soll si von gazzen ze gazzen traiben.“
[19] Zwei Stunden südwestlich von Passau.
[20] Oktober.
[21] Den 9. Oktober.
[22] Fünf Wegstunden südlich von Landshut.