18.
Die Dämmerung, die über den Bergen die ersten Fäden spann, webte im Tal schon die grauen Schleier.
Wolfrat war aus dem Sudhaus heimgekehrt und saß mit Sepha am Tisch. Sie hatte die Kraft gefunden, das Bett zu verlassen — es war die Kraft, die der Kummer und die Sorge gibt.
Ihr karges Nachtmahl hatten sie schon verzehrt, aber sie saßen noch, schweigend; jedes hielt die Arme über den Tisch gelehnt und grübelte vor sich hin.
Lippele kniete auf der Bank und guckte zum Fenster hinaus. „Schau, Mutter, schau, der Berg tut brennen!“ Es störte ihn nicht, daß er keine Antwort erhielt. „So, so,“ schmollte er mit nickendem Köpfl, „wenn die Dittibas verbrennen tut, da droben!“
Wolfrat erhob sich ungestüm, schritt ein paarmal in der Stube auf und nieder und warf sich im Ofenwinkel auf die Bank. Sepha schlug die Hände vor das Gesicht.
Eine stille Weile verging, dann streckte Lippele neugierig den Kopf. „Vater! Mannerleut kommen.“
Seph erblaßte und Wolfrat sprang auf das Fenster zu.