„Ei freilich!“
„So?“ sagte Herr Heinrich in einem Ton, der vermuten ließ, als wäre er anderer Meinung. „Gut, gehen wir!“ Er erhob sich. „Komm!“ sagte er zu Wolfrat. „Wenn du die Wahrheit sprachst, so hast du nichts zu fürchten.“
Wolfrat brachte keinen Laut über die Lippen. Einen Augenblick schien die Ruhe ihn verlassen zu wollen. „Schwören kann er nit, daß ich es war,“ sagte er sich in seiner zähen Hoffnung, „mein Gesicht war angerußt, nit einmal mein Weib hätt mich erkannt.“ Er hob den Kopf und folgte Herrn Heinrich mit schweren Schritten. Sie gingen hinüber zur Jägerhütte, wobei der Vogt keinen Blick von Wolfrat wandte; auch gab er den Knechten heimlich einen Wink, daß sie sich in der Nähe halten sollten.
Unter der Tür der Jägerhütte trat ihnen Haymo entgegen; er trug den Arm in einer Schlinge; sein Gesicht war weiß wie Kalk. Wolfrat senkte den Blick.
„Sieh dir diesen Mann an, Haymo!“ sagte Herr Heinrich. „Der soll es getan haben. Erkennst du ihn?“
Wolfrat hob die Augen und erzitterte vor dem Blick, den Haymo auf ihn richtete; denn er las aus diesem Blick, daß der Jäger ihn erkannte. Doch Haymos Lippen blieben geschlossen.
„Sprich,“ mahnte Herr Heinrich, „erkennst du ihn als jenen, der es getan hat?“
„Nein, Herr!“
Über Wolfrats Gesicht flog heiße Röte. Herr Heinrich blickte sich um, als suchte er jemand; er sah nur, wie die niederhängenden Zweige der Fichten sich bewegten. Der Vogt aber griff sich mit beiden Händen an den Kopf, rannte auf Haymo zu, fuchtelte ihm mit den Fäusten vor der Nase umher und stotterte: „Mensch, wo hast du deine Augen? So schau ihn doch an! Ich sage dir, er muß es gewesen sein! Schau ihn doch an! Gelt, du erkennst ihn?“
„Nein, Herr Vogt!“ sagte Haymo mit bebender Stimme. „Der’s getan hat, war geringer am Leib und hat aschfarbenes Haar gehabt. Der da war’s nit.“