„Und als jenes Mädchen dich um alle Ruhe brachte, kam es dir da nie in den Sinn, daß kein Weib noch jemals so einem Weibe glich, wie ein Kind seiner Mutter gleichen kann?“

Wortlos und zitternd stand Desertus. Mit beiden Händen faßte er seine Stirn, dann stürzte er auf die Knie, und Wolfrats Hand umklammernd, schrie er: „Gib mir mein Kind! Mein Kind!“

„Dietwald!“ rief Herr Heinrich erschrocken, als er die Wirkung seiner Worte sah. „Was hab ich getan! Die Erregung hat mir entrissen, was meine Lippen hätten verschließen sollen als eine scheue, schwankende Ahnung.“

Desertus schien nicht zu hören; sein Blick hing festgebannt am Gesicht des Sudmanns. „Herr, er schlägt die Augen auf!“

Sie labten den Erwachenden mit Wasser. Wolfrat blickte suchend umher und lallte: „Wo ist — der Jäger? — Ist ihm was geschehen?“

„Nein, Wolfrat! Er hat sein Leben dir zu danken!“

Ein tiefer Seufzer quoll über Wolfrats Lippen. „Und — wird es der Herrgott — annehmen — als Buß?“

„Ja, ja, Wolfrat! Doppelt gewogen in der Schale des Guten!“

„Herr!“ stammelte Desertus. „Sehet doch, wie ich zittere und bange!“

„Der Himmel hat das Vorrecht vor der Erde.“ Herr Heinrich beugte sich wieder über Wolfrat, dessen Blick mit scheuer Sehnsucht emporgerichtet war in das dämmerige Blau des Himmels.