„Wenn sie so hoch wär wie der Wazmann und seine Kinder,“ stammelte sie, „ich müßt hinüber!“

„So komm!“

Sie huschten um die Ecke und schlüpften durch das Gebüsch zur Klostermauer. Zwischen wirrem Gezweig kletterte Walti in die Höhe, setzte sich rittlings auf die Zinne der Mauer und half dem Mädchen mit beiden Händen empor. Von oben sprangen sie in den Garten hinunter. Walti spähte durch das offene Fenster. „Er ist allein!“ tuschelte er, schwang sich auf die Fensterbrüstung und zog das Mädchen nach.

Es war eine kleine weiße Zelle, in welcher Haymo auf einem mit Wildschuren überdeckten Lager ruhte.

Als der Jäger das Mädchen erblickte, hob er sich erschrocken auf und starrte Gittli an, als könnte er seinen Augen nicht trauen.

„Ich geh an die Tür und paß auf, ob keiner kommt.“ Walti huschte zur Zelle hinaus.

Als Gittlis Augen dem Blick des Jägers begegneten, war es wieder zu Ende mit ihrem Mut. Zitternd strich sie mit der Hand über ihre Stirn. Weshalb war sie nur eigentlich hieher gekommen?

„Gittli? Bist du’s wirklich?“ stotterte Haymo. „Sag mir doch um Herrgotts willen, was ist dir denn eingefallen? Hast ja den Klosterbann gebrochen! Schau, in mir drin ist alles völlig kalt vor lauter Angst. Wenn einer käm und tät dich finden, sie täten dich ausweisen aus dem Klosterland.“

„Ich muß eh fort!“ lispelte sie mit gesenkten Augen.

Haymo schwieg und seufzte.