„So ist’s recht, mein Dirnlein! Und jetzt sei tapfer, du gehst einer freundlichen Zeit entgegen. Wenn ich dich einmal besuche, wirst du lachend auf mich zukommen. Und jetzt sträube dich nimmer und laß dir auch die Kleider anlegen, die ich dir geschenkt habe!“

Verloren vor sich hinstarrend, nickte sie zu allem, was Herr Heinrich sagte. Sie fand auch kein Wort, als er ihr glückliche Reise wünschte, und ließ sich zur Tür hinausziehen, ohne recht zu wissen, daß es geschah.

Auf der Straße sagte die Oberin: „Warte hier ein Weilchen, ich habe Herrn Heinrich noch was zu fragen.“

Gittli stand allein; die Knie zitterten ihr, daß sie sich kaum aufrecht zu halten vermochte; sie mußte sich auf den Eckstein neben der Tür niederlassen. Da spürte sie einen Puff an der Schulter. Erschrocken blickte sie auf. Walti stand vor ihr.

Mit beiden Händen faßte sie ihn an der Brust. „Walti! Sag mir! Wo ist der Haymo?“

„Drin liegt er im Kloster. Es geht ihm wieder schlechter seit gestern. Was sagst du, was das für eine Sach mit dem Bär gewesen ist! Ganz schütteln tut’s mich vor Grausen, wenn ich dran denk.“

„Walti! Schau, ich tu dich bitten, führ mich nur grad zu ihm!“

„Zum Haymo? Bist du denn närrisch? Ins Kloster darf doch keine Dirn hinein.“

„Ich muß, ich muß zu ihm!“

Walti zog die Brauen in die Höhe und schob das Käppl in die Stirn. Das tat er immer, wenn er schwer zu denken hatte. Dann guckte er sich forschend um und flüsterte: „Seine Stub geht in den Garten hinaus, und das Fenster ist gar nit hoch. Aber — kannst du denn über die Mauer kraxeln?“