„Nun, wie geht es ihm?“ fragte Herr Heinrich, während sie zur Klause gingen.

Der Pater zuckte die Schultern. „Er kann noch Tage, noch Wochen kämpfen. Seine Riesennatur wehrt sich gegen den anstürmenden Tod, wie im Bett des Wildbaches ein Felsblock gegen das anstürzende Wasser; aber das Wasser läßt nimmer nach, der Block muß weichen. Bis vor einer Stunde lag der Mann in wildem Fieber.“ Eusebius blieb stehen. „Wisset Ihr, Herr, daß der Mann eine schwere Schuld auf dem Gewissen hat?“

„Was meinst du?“

„Im Fieber hat er’s ausgeredet: er war es, der den Haymo gestochen hat.“

„Ich weiß es. Und du, Eusebius, bewahre, was der Mann dir im Fieber gebeichtet hat! Ist er jetzt bei Sinnen?“

„Ein Weilchen immer, bis die Schwäche wieder kommt.“

„Und daß er das Fieber überstand, das gibt keine Hoffnung?“

Eusebius schüttelte den weißen Kopf. „Die größte Gefahr liegt dort, wo ich nicht hin kann mit meinen Händen, in der Brust. Drei Rippen sind gebrochen und in die Lunge gedrückt. Die äußerlichen Wunden hätte seine Natur vielleicht noch überstehen können. Freilich, die Schulter sieht bös aus! Alle Nervenstränge sind zerrissen, der Arm ist tot und die Schulter lahm.“

„Die Schulter? — In die Schulter hat er dem Haymo das Messer gestoßen.“

„Ja, ja,“ sagte Eusebius, während ein feines Lächeln seinen welken Mund umspielte, „der liebe Gott schickt mitunter merkwürdige Zufälle.“