„Der Wolfrat wird nimmer viel davon haben. Aber doch sein armes Weib. Und das wird dem Mann ein Trost sein in der letzten Stund. Ja, Bauer, tu’s nur! Und damit deine Kuh nicht einschichtig steht, stell ich eine andere dazu. Und weil es doch Klostergut ist, das du verbesserst, will ich auch mein Teil dazu geben. Das Holz, das du nötig hast zum Bau, kannst du in meinen Wäldern schlagen, und das Eisenwerk, das du brauchst, magst du in der Klosterschmiede holen. So bleibt dir nur die Arbeit zu leisten. Und wenn du schon grade dran bist, magst du auch gleich das ganze Haus ein wenig nachbessern, neue Dielen legen, im Dach die Lücken schindeln — was halt nötig ist. Gelt?“
„Wohl, Herr!“ nickte der Eggebauer mit versagender Stimme, während ihm der Schweiß in dicken Tropfen herunterkollerte über die fahlen Backen. „Und saget es ihm nur gleich, was ich alles für ihn tu!“
„Das will ich ihm sagen. Fang nur gleich an zu schaffen! Und alles fest und gut, Eggebauer! Gelt? Ich werde nachschauen jede Woch.“
Lächelnd, doch ohne Gruß, ritt Herr Heinrich davon.
Es schien, als wäre dem Eggebauer schwindlig geworden. Er griff in die Hecke. Mit starren Augen blickte er dem Propste nach, und als er ihn zwischen den Bäumen verschwinden sah, wischte er sich den Schweiß vom Gesicht, trocknete die nassen Hände an der Hüfte und murmelte: „Da hab ich mir eine schöne Supp eingebrockt! Jetzt friß, Bauer, friß!“
In frischem Trab ritt Herr Heinrich durch das frühlingsblühende Tal. Als er den See erreichte, sah er neben einer Fischerhütte die mit Stangen ausgespreizte Bärenhaut zum Trocknen in der Zugluft eines schattigen Platzes stehen.
Das Pferd wurde versorgt, und ein Knecht ruderte den Propst im Einbaum nach der Bartholomäer Klause.
Stiller Friede atmete um die kleine steinerne Kirche, die den hochgetürmten Wänden des Wazmann zu Füßen lag: ein Bröselein Menschenwerk neben dem ewigen Riesenbau des Schöpfers. Das Sonnenlicht glitzerte über dem weißen Kiesgrund, aber vom nahen Gletscher der ‚Eiskapelle‘ wehte eine kühle Luft. Weit draußen in der Wiese sang ein Knecht, der am hohen Hag das von den Lawinen zerdrückte Flechtwerk besserte.
Nah bei der Kirche stand die aus Blöcken erbaute Klause, in welcher Pater Eusebius mit einem Laienbruder und zwei Knechten hauste.
Eusebius, der das Boot schon hatte kommen sehen, erwartete den Propst am Ufer.