Wie ein Wiesel kam das Mädel herbeigeschossen. „Bist du endlich da? Ich hab mir die Seel schier herausgewartet.“

„Fort, fort, Zenza,“ stieß Gittli aus keuchender Brust hervor, „oder sie kommen und holen mich wieder.“

Zenza faßte die Wankende am Arm und riß sie mit sich fort. Sie erreichten das Nonntaler Tor und huschten hinaus, gerade bevor es geschlossen werden sollte.

Als sie aus dem dunklen Schatten der die Straße geleitenden Bäume hinausgelangten auf das offene Grödiger Moos, blieb Gittli stehen. „Ich kann nimmer laufen, das dumme Häs kommt mir allweil unter die Füß.“

„Ja,“ spottete Zenza, „fein hat man dich aufgeputzt, das muß ich sagen! Wie die Gredl[31] in der Kirch!“

„Gelt?“ jammerte Gittli, faßte das Kleid, riß um den ganzen Saum herum eine handbreite Borte mitsamt der Schleppe weg und warf sie in den Straßengraben.

Dann fing sie wieder zu laufen an. Und im Laufen fragte Gittli mit zagender Stimme: „Zenza, mein Gott, sag mir doch, was fehlt ihm denn?“

„Was soll ihm denn fehlen?“ lautete die murrende Antwort. „Du fehlst ihm.“

„Zenza!“ stammelte Gittli, und weiter brachte sie kein Wort mehr über die Lippen; nur ein erstickter Laut quoll aus ihrer Kehle, als wolle ihr das schwellende Herz die Brust zersprengen; und sie fing zu laufen an, daß Zenza ihr kaum zu folgen vermochte.

Noch ehe sie Schellenberg erreichten, waren die feinen Schnabelschuhe zertreten und die dünnen Sohlen durchgelaufen. Gittli ließ sich auf einen Straßenstein nieder und zerrte die zerfetzten Schuhe von ihren Füßen.