Auf dem Turm begann die Glocke zu läuten. Sanft hallend schwebten ihre Klänge über das weite Tal, zu Ruh und Frieden mahnend. Wolfrat bekreuzte sich und murmelte den Mariengruß. Dann rannte er davon.
Keuchend erreichte er sein Lehen. In der Stube brannte schon das Licht. Unter der Türe trat ihm sein Weib entgegen.
„Seph! Seph!“
Mehr brachte er nicht heraus. Er wankte, und sie mußte ihn stützen. Als er in die Stube trat, streckte er die Hand, wie um mit einem einzigen Griff alles zu fassen, was ihn umgab. Sepha ließ ihn auf die Bank sinken, und da saßen sie nun und hielten sich wortlos umschlungen, bis von draußen ein aufgeregtes Stimmchen tönte:
„Mutter! Mutter! Alle zwei sind hinein in den Stall, ganz alleinig!“
Wie eine Hummel kam Lippele in die Stube gesurrt und stand erschrocken still.
„Bürscherl?“ fragte Wolfrat mit schwankender Stimme. „Kennst du mich nimmer?“
„Jöi, der Vater, der Vater!“ schrie der Bub in Freude, kletterte auf Wolfrats Knie und drückte und küßte, daß ihnen beiden fast der Atem verging.
„Aber Seph! Wo ist denn die Dirn?“
„Ich weiß nit, was da sein muß! Jetzt hat man sie wieder im Klösterl gehalten. Und die ganze Zeit her —“