„Das soll ich abgeben, hat’s geheißen. Es gehört über die Tür hinauf!“ sagte er.
Ulei stellte die Figur auf die Steinbank und löste mit zitternden Händen das Tuch.
„Haymo, schau nur! So was Liebes und Schönes! Wie wenn’s lebig wär und tät uns anschauen!“
Leichte Röte huschte über Uleis bleiche Züge. Das Lob hatte ihm Freude gemacht. Wortlos wandte er sich ab und verließ das Gehöft. Haymo und Gittli merkten nicht, daß er ging. Sie standen schweigend aneinandergelehnt und betrachteten das mit Farben bemalte Schnitzwerk.
Der Sockel stellte eine graue Wolke dar, umringelt von einer Schlange, auf deren Kopf das Bildnis mit beiden Füßen stand. Ein blaues Kleid verhüllte mit eng gereihten, strengen Falten den ganzen Körper; die schlanken Finger hielten einen Lilienstengel; das weiße Gesicht mit den blauen Augen war leicht geneigt, und gleich einem Mantel fiel das gelöste Blondhaar um die Schultern. Die Stirne schmückte ein Kranz aus blühenden Schneerosen.
„Haymo! Schau doch ihr Gesicht an!“ flüsterte Gittli. „Merkst du nit, wem es gleich schaut?“
Er nickte und stand in den Anblick des Bildes versunken.
Gittli faltete die Hände, und während glitzernde Tropfen über ihre Wangen rollten, sprach sie leise ein Gebet.
„Was meinst du?“ sagte Haymo. „Wenn ich’s gleich hinaufstellen tät? Die hütet unser Haus. Die schon!“
Er wälzte einen hohen Pflock herbei, und während er das Bildwerk achtsam emporhob in die Mauernische, eilte Gittli davon; sie suchte und suchte, aber sie fand nur welkende Blumen. Da sah sie das rankende Immergrün, das sich neben dem Hoftor um den Stamm der alten Ulme spann. Sie brach alle Ranken, und Haymo flocht sie um den Sockel des Bildes.