„So heiße Pater Theophilus!“[37]
Sie saßen schweigend. Über Tal und Höhen leuchtete die warme Sonne des Herbstes, und die sinkenden Blätter in ihrem schimmernden Gelb waren anzusehen wie fallende Feuerzungen.
Plötzlich streckte der Chorherr in Erregung den Arm. „Sehet, Herr!“
Ein weißer Falter gaukelte vorüber.
„Das ist wohl der letzte!“ sagte Herr Heinrich. „Auch er wird sterben. Aber er war mit der Sonne gut Freund und darf nun einen Tag genießen, den Tausende seinesgleichen nicht erlebten.“
Sie sahen dem Falter nach. Er folgte mit seinem Flug dem Lauf der Straße, flatterte um die weißen Steine, hob sich empor zu den Wipfeln der Bäume, gaukelte zurück auf die niedere Hecke, aus deren Gezweig der Wind die silberig blitzenden Spinnfäden wehte, und bald sich verhaltend, bald wieder eilig weiterfliegend, erreichte er die große Wiese vor dem neuen Haus. Hier suchte er jede verspätete Blume auf und sog aus dem welkenden Kelch noch einen Tropfen Seim.
Dann flatterte er an der weißen Mauer empor, und lange, lange gaukelte er um das mit Bändern geschmückte Tannenbäumchen auf dem First.
Hand in Hand, mit brennenden Gesichtern, traten Haymo und Gittli aus der Tür.
„Wo sind sie denn?“ stammelte Gittli. „Schau nur, Haymo, sie sind nimmer da!“
Suchend blickten die beiden umher. Da näherten sich langsame Schritte dem Tor. Ulei, der Bildschnitzer, betrat das Gehöft. Er trug auf den Armen eine hohe Figur, die von grüner Leinwand umhüllt war.