Nun machten sie sich auf den Weg. Beim Hoftor blieben sie noch lange stehen, betrachteten das Haus, und immer wieder kehrten ihre Blicke zu dem Bild über der Tür zurück.

Haymo schüttelte immer wieder den Kopf. Plötzlich zog er das Weidmesser aus der Scheide und drückte die scharfe Spitze in den Rücken seiner Hand.

„Jesus, was treibst du denn!“ stammelte Gittli erschrocken.

„Spüren möcht ich, ob ich wach! Allweil mein’ ich, daß ich träumen tu und müßt aufwachen mit jedem Augenblick!“

„Geh! Wie du einen ängstigen kannst!“ Gittli klammerte die Arme um seinen Hals.

Er küßte sie — wieder und wieder — und schien dabei doch endlich die Überzeugung zu gewinnen, daß er völlig wach wäre.

Langsam gingen sie zwischen den Hecken dahin. Sie mußten sich dicht aneinanderschmiegen, denn der Pfad war schmal.

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Herr Heinrich hatte wahr prophezeit. Über vier Wochen hielt der neue Wildmeister Hochzeit. Pater Theophilus legte die Hände des jungen Paares ineinander; als er den Segen sprach, schwankte vor freudiger Bewegung seine Stimme, daß sie bei jedem Wort zu erlöschen drohte. Gittlis Augen waren leuchtend zu ihm emporgerichtet. Seit dem vergangenen Abend wußte sie, daß es ihr Vater war, dem sie alles Glück verdankte.

Bis auf den letzten Platz war die Kirche gefüllt. Zuvörderst im Herrenstuhl, neben Herrn Heinrich, kniete der Vogt, in dessen nicht gar feierlichem Antlitz eine merkwürdige Erregung zuckte. Er zwirbelte den dicken Schnauzbart und schielte immer wieder zu Herrn Heinrich auf. Die Hochzeit des Haymo mit der Schwester des Wolfrat hatte ihm ein Licht aufgezündet.