Wolfrat blieb an der Tür stehen und stützte sich mit dem Einarm an den Pfosten, keuchend vom raschen Lauf, das lachende Gesicht von glitzerndem Schweiß überronnen.
„Was ist denn das schon wieder für eine Narretei?“ donnerte Herr Schluttemann. „Will man vielleicht den Vogt wieder uzen? Wart nur, jetzt will ich dir aber zeigen —“
Weiter kam Herr Schluttemann nicht, denn Wolfrat, der die Worte des Vogtes gar nicht zu hören schien, sagte mit Lachen: „Herr Vogt! Nehmet nur gleich das Leutbuch her! Und schreibet hinein: wir haben ein Kindl gekriegt — ein Dirnl, Herr Vogt, ein liebes Dirnl! Blaue Äugerln hat’s und bluhweiße Löcklen! Und Mariele soll’s heißen — Polzer Mariele! Schreibet, Herr Vogt, schreibet! Ich muß zum Pfarrer laufen —“
Da rannte er schon davon, lachend und keuchend.
Herr Schluttemann stand noch immer mit gespreizten Beinen, die Fäuste in die Hüften gestemmt. „Natürlich!“ knurrte er. „Nur allweil Kinder, allweil Kinder, daß nur die Lugenschüppel nicht minder werden auf der Welt! Aber wart nur! Du kommst mir schon wieder! Dann sollst du merken, daß ich mich nur ein Mal hab anschmieren lassen!“ Er hob die Fäuste gegen die Stubendecke. „Ooooh! Die Menschen sind doch schlechte Leut!“ Zornig riß er an der Glocke. Der Fronbot trat ein. „Geh hinüber in die Küch und nachher zum Kellermeister, laß dir einen richtigen Korb voll Freßzeug geben und einen Krug Wein — trag alles hinunter zum Rottmann Polzer und sag: Das schick ich ihm zur Kindstauf! Dem Gauner!“
Mit vollen Backen blasend, ging Herr Schluttemann auf den Schrank zu, nahm das in Schweinsleder gebundene Leutbuch heraus, schlug es bedächtig auf, tauchte brummend die Gänsefeder ein und schrieb:
„Den 26. des Anderherbst, a. d. 1338, dem Rottmann Wolfrat Polzer ein Dirnlein geboren, heißt Mariele.“
„Punktum!“ sagte Herr Schluttemann und spritzte die Feder aus.
Durch das offene Fenster klangen jauchzende Stimmen und die schmetternden Klänge der Jagdhörner.