Der Vogt wurde stutzig; er drehte den Kopf auf die Seite und kam auf das Mädchen zugegangen, mit so drohenden Augen, daß Gittli scheu ein paar Schritte zurückwich. „Man will vielleicht noch etwas? Hoho! Ich merke schon! Das also ist die christliche Frömmigkeit? Heeh? Das Kraut da war nur ein Vorwand, um hereinzukommen?“

„Nein, nein, Herr Vogt!“ stammelte Gittli mit versagender Stimme.

„Keine Widerred!“ kam es wie ein Donnerkeil unter dem gesträubten Schnauzbart herausgefahren. „Was will man? Also? Wird’s bald oder nicht?“

Gittli sah mit angstvollen Augen auf. Sie wollte sprechen, aber ehe sie noch das erste Wort herausbrachte, kamen ihr die Tränen, und schluchzend bedeckte sie mit den Händen das Gesicht.

„Natürlich! Natürlich! Jetzt wird geheult!“ Herr Schluttemann durchmaß mit langen Schritten die Stube und hob die Arme gegen den Himmel. „Herr du mein Gott, du hast die Weibsleut auch in deinem Zorn erschaffen! Heulen! Gleich heulen! So machen sie’s alle. Alle! Alle!“ Ob er wohl im stillen hinzufügte: nur Frau Cäcilia nicht? Breitspurig blieb er vor Gittli stehen und stemmte die Fäuste in die Hüften. „Also? Hat man bald ausgeheult? Soll ich bald hören, was man will?“

„Ach, Herr Vogt,“ kam es unter Tränen und Schluchzen heraus, „mein Bruder kann das Lehent[9] nit zahlen.“

„Da haben wir’s!“ Schmetternd fiel die Faust des Herrn Schluttemann auf die Tischplatte. „Der saubere Bruder will nicht zahlen, und das feine Schwesterlein stolziert herum, aufgeputzt wie ein Burgfräulein.“

Gittli warf einen erschrockenen Blick über ihre Gestalt, mit zitternden Händen zerdrückte sie den Primelnstrauß vor dem Mieder und stammelte in Tränen: „Nein, nein, Herr Vogt! Ich bin doch ein blutarmes Ding. Seht doch die Schuh an, die hab ich mir selber genäht! Und das Röckl trag ich vier Jahr schon, und die Borte da, die ist ja nur angestückelt, und das Mieder hat mir die Eggebäuerin geschenkt, weil ihre Zenza drausgewachsen ist. Und das Leinen hab ich mir selber gewaschen.“

Die Augen des Herrn Schluttemann begannen verdächtig zu zwinkern. Das tat aber der Gewalt seiner Stimme keinen Eintrag: „Natürlich! Und da hat man wieder ein Pfund Seife verschmiert.“

„Nein, nein, Herr Vogt, ich hab’s bleichen lassen in der Sonn.“