Gewaltsam wollte Haymo den Blick wenden, aber er brachte ihn nicht los von dem heiligen Bilde. Mit ernsten, kummervollen Augen sah es auf ihn nieder, es schien zu leben in seinen frischen Farben, das rote Blut schien eben jetzt geflossen. Dem Jäger war es, als begännen die großen, blauen Augen sonnengleich zu leuchten, als öffne sich der schmerzenbittere Mund und spräche mit sanften Worten: „Haymo! Willst du morden an meinem Ostertag, der allen Menschen sein soll wie ein Tag des Glücks und der Versöhnung? Tu’s nicht, Haymo, tu’s nicht!“

In Haymos Händen neigte sich die Armbrust, und der Bolzen fiel aus der Schiene. Der Jäger hob ihn auf mit bebender Hand und küßte die Füße des Gekreuzigten.

Dann stieg er lautlos den Hang hinunter. Der Raubschütz, der im dichten Gebüsch an dem erlegten Wild hantierte, hörte ihn nicht kommen; auf der Erde sah Haymo die Armbrust des Räubers liegen; er faßte sie und schleuderte die Waffe mit mächtigem Schwung hinaus in das Steingeröll; da fuhr der Raubschütz in die Höhe, und als er den Jäger sah, befiel ihn ein Wanken, und er griff mit beiden Händen in die Luft.

„Wer bist du?“ fragte Haymo mit harter Stimme.

Der andere stand wortlos und starrte vor sich nieder.

Haymo versuchte ihn zu erkennen, aber vergebens. Der Jäger war fremd im Tal und hatte hier nur wenige Menschen erst gesehen; auch trug der Räuber den Bart und die Haare mit Asche bestäubt, und das Gesicht war mit Ruß so dick bestrichen, daß Haymos forschender Blick kaum einen Zug erfassen konnte.

„Komm!“ sagte er und deutete mit dem Arm die Richtung an.

Der Gefangene voran, und Haymo mit gespannter Armbrust hinter ihm, so schritten sie über den Hang empor; mit blitzenden Augen folgte Haymo jeder Bewegung des Raubschützen. Auf halber Höhe verhielt der Gefangene den Schritt; in seinem finsteren Auge glühte die Verzweiflung.

„Jäger! Es war das erstemal. Und ich tat es aus Not.“

„Geh!“