„Jäger! Ich hab Weib und Kind. Sie gehen zugrund.“

„Durch deine Schuld.“

Ein dumpfer Seufzer erschütterte die Brust des Mannes; der Kopf sank ihm, und mit schweren Schritten stieg er weiter. Nun erreichten sie die Kreuzhöhe. Wieder wandte sich der Gefangene, unheimliche Glut in den Augen. „Was geschieht mit mir?“

„Was jedem andern geschieht, wenn er tut, was du getan.“

„Jäger! Erbarm dich meines Weibes und meiner Kinder! Laß mich laufen!“

„Und wenn ich auch wollt — ich darf nit!“ sagte Haymo mit schwankender Stimme. „Ich steh in Pflicht und Eid. Ich hab geschworen.“

„So laß mich ein Vaterunser beten! Für Weib und Kind.“

„Bete!“ sagte Haymo.

Der Raubschütz kniete vor dem Kreuz auf die Erde nieder, faltete die Hände und begann zu murmeln. Haymo wollte den Kopf entblößen, um dem heiligen Bild zu danken, das ihn vor Blut bewahrt und alles nach Recht gewendet hatte. Doch als er den Arm erhob, fuhr der andere blitzschnell in die Höhe, riß das Weidmesser von Haymos Gürtel, und ehe der Jäger sich zu decken vermochte, stieß ihm der Wildschütz die blitzende Klinge in die Schulter.

Aus Haymos Händen fiel die Armbrust, seine Knie brachen, stöhnend sank er auf das moosige Gestein, das sich färbte von seinem Blut — mit letzter Kraft noch richtete er sich halb wieder auf, mit brennendem Blick suchten seine Augen das starre Bild am Kreuze, dann fiel er zurück, und seine Sinne erloschen.