„Mein Gott, Gittli, so red doch,“ jammerte das Weib, „schau, die Angst bringt mich um!“
„Nimm — nimm — das muß ihm helfen! Das hat schon tausend, tausend Mal geholfen, hat er gesagt. Vater unser, der du bist im Himmel —“ Und betend sank sie neben dem Bette nieder, in dem das Kind noch lag, wie sie es verlassen hatte.
„Aber Gittli, so red doch, wie soll’s denn helfen, was soll ich denn machen damit?“
Mehr mit Zeichen als mit Worten wiederholte Gittli den Rat, den ihr der Frater Pförtner gegeben. Neben dem Bette kniend, mit tränenerstickter Stimme betend, hielt sie das flackernde Talglicht, während Sepha tat, was der Mönch geraten. Mit zitternden Händen, unter Weinen und zärtlichem Stammeln entblößte die Mutter das Kind, das vor ihr lag wie eine vom Stengel gefallene Blüte. Ein zartes, holdes Körperchen, rund und weiß, wie aus Wachs gebosselt, aber alle Glieder gefesselt von starrem Krampf.
Endlich richtete Sepha sich tief atmend auf; alles war geschehen, was geschehen mußte. Sie legte die Kissen zurecht und breitete sorglich wieder die warme Decke über das Kind, das unempfindlich schien für alles, was mit ihm geschah.
„Meinst du, Gittli, es hilft?“
„Ja, ja, es muß helfen!“
„Der liebe Herrgott soll’s geben! Wär nur der Polzer daheim!“
Nun saßen sie, Sepha und Gittli, die eine zu Häupten, die andere zu Füßen des Kindes, Stunde um Stunde, leise betend und des Wunders harrend, das sie mit Zuversicht erhofften.
Einmal streckte sich das Kind unter leisem Stöhnen, und die verkrampften Fäustchen schlugen seitwärts.