Sie schüttelte den Kopf und lachte ihn an. Sie hatte doch nur getan, was sie mußte.
Seine Hand ließ sie nicht wieder los. Und während sie nun so saß, Stunde um Stunde, bald in heißer Sorge zu ihm aufblickend, bald wieder verloren in finster und sonnig durcheinanderschwimmende Gedanken, kam auch in ihr die Natur zu Recht und Geltung. Die Erschöpfung löste ihre Glieder, ihr Kopf sank auf den Rand des Lagers, und als sich draußen der Tag zum Abend wandelte, schlief sie schon und atmete in langen Zügen.
Vor der Hütte gurgelte der rinnende Quell, und leise rauschte der Bergwald in der Ferne.
12.
Am Morgen des Ostermontags trug Wolfrat Polzer sein entschlafenes Kind zur ewigen Ruhe. Da gab es keine Klagleute — Sepha lag fiebernd zu Bett, Lippele zählte nicht, Gittli fehlte, und von den Nachbarsleuten kümmerte sich keine Seele um den Tod, der im Hause des Sudmanns Einkehr gehalten. Wolfrat Polzer und auf seiner Schulter das stille Kind — das war der ganze Leichenzug; das starre Körperchen war in ein Leintuch gewickelt und lag auf einem Brett, das Wolfrat in Gestalt einer Wickelpuppe zugeschnitten hatte. Der Sudmann hatte schon oft in seinem Leben schwerer getragen, aber noch keine Last hatte ihn so tief gebeugt. Die Leute, denen er auf dem Weg zur Kirche begegnete, zogen die Kappen und schlugen ein Kreuz. Im Friedhof erwartete ihn der Totengräber beim ausgeworfenen Grab, in einem Winkel nahe der Mauer.
„Ich will den Kaplan holen,“ sagte der Mann, „kannst das Kind derweil hinunterlegen.“
Wolfrat blieb allein; er löste den Strick, mit dem der kleine Leichnam auf das Brett gebunden war, nahm das Kind auf seine Arme und stieg in die Grube; ein Stück Rasen gab er der kleinen Schläferin als Polster; zwei Steinplatten, die der Totengräber aus dem Boden geworfen, stellte er wie ein Dach über den Kopf des Kindes, damit ihm die fallende Erde nicht das Gesicht drücke. Nun sah er den Kaplan mit dem Bruder Mesner kommen und stieg aus der Grube.