„Und jetzt bringt er das Lehent! Bringt es! Bringt es!“ Herr Schluttemann rang über diese Tatsache die Hände, als hätte er den Untergang von Jerusalem zu bejammern. Und wieder zu Wolfrat sich wendend, schrie er ihn an: „Woher hast du das Geld?“
„Ich hab’s geschafft, weil es her hat müssen!“ erwiderte Wolfrat, starr aufgerichtet, mit heiserer Stimme. „Woher ich es hab, braucht Euch nit zu kümmern. Ihr müßt es nit heimzahlen. Aber wenn Euch schon die Neugier plagt: der Eggebauer hat mir’s geliehen.“
„Der Eggebauer? Geliehen?“
„Weil ich ihm in der Samstagnacht seinen hölzernen Herrgott hinaufgetragen hab auf seine Alm in der Röt.“ Laut und langsam sprach Wolfrat diese Worte.
„Den schweren Herrgott? In der Nacht? Und deshalb hat er dir das Geld geliehen?“
„Und weil er vielleicht gemeint hat, Ihr könntet ihm noch einen schlechteren Nachbar auf das Genick setzen, wenn ich vom Lehen gejagt werde.“
„Der Teufel jagt dich vom Lehen! Aber ich nicht!“ donnerte Herr Schluttemann. „Bin ich denn ein Wurm, der Feuer speit und Steine frißt? Auf der Stelle machst du jetzt, daß du heimkommst zu Weib und Kind. Und diesem Schmersack gibst du sein Geld zurück, bis auf den letzten Heller. Apage!“
Herr Schluttemann machte einen Versuch, Wolfrat am Kragen zu fassen, um ihn zur Tür hinauszudrehen. Der Sudmann aber packte mit eisernem Griff den Arm des Vogtes. „Jetzt hab ich das Geld, jetzt will ich auch zahlen. Ich will von keinem was geschenkt. Und vom Kloster am allerletzten.“ Er ging auf den Tisch zu und zählte die acht Schillinge der Reihe nach auf die Platte; jedem gab er mit dem Daumen einen Druck, daß es klang und klirrte.
„Himmelwetter, soll ich denn in meiner Stube nimmer Herr sein?“ schrie Herr Schluttemann, dessen rote Nase vor Zorn blau anlief wie Stahl im Feuer. „Wirst du gleich tun, was ich sage! Wirst du gleich das Geld wieder einpacken! Wirst du machen, daß du weiterkommst?“ Bei jedem ‚wirst du‘ schlug er die Faust auf die Tischplatte, daß die Silberstücke sprangen und hopsten wie die Dirnen beim Ostertanz. „Und wenn der Eggebauer schon sein Geld zum Fenster hinausschmeißen will, so behalt es selber und laß es deinem kranken Kind zugutkommen. Das Kloster braucht es nicht.“
„Mein Kind auch nimmer.“