Jetzt, da der Frühling kommen will, pflügen und säen unsere Feldgrauen. Die meiste Ackerarbeit wird von deutschen Motorpflügen geleistet, die man aus der Heimat bezog. Als Aushilfe werden den Bürgermeistern Gespanne und Mannschaften für die Feldarbeit zur Verfügung gestellt.

Diese gemeinsame Arbeit der Franzosen und Feldgrauen auf den Frühlingsäckern trägt auch ein Erkleckliches zum friedlichen Ausgleich der nationalen Gegensätze bei. Ich sah einen vierspännigen Pflug: die zwei Feldgrauen gingen heiter schwatzend neben den Gäulen her, und auf den beiden Sattelpferden ritten zwei nette junge Französinnen, die sehr vergnügt waren.

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Eine fast unübersehbare Fülle tüchtiger Arbeit wird von unsern Feldgrauen in Städten und größeren Ortschaften geleistet. Sie haben da alle besseren Handwerksstätten, die von ihren Besitzern verlassen waren, in Betrieb genommen und sieden, nur innerhalb eines Armeebezirks, in acht, zumeist mit dem Maschinenmaterial zerstörter Zuckerfabriken eingerichteten Brauereien einen gut trinkbaren Tropfen für die durstigen Seelen unseres braven Heeres.

Dieser ganze riesenhafte, aus der Vernichtung und aus dem Nichts herausgebaute Arbeitsapparat des deutschen Etappenkörpers funktioniert mit einer Pünktlichkeit, mit einer so tadellosen Ordnung bis ins kleinste, daß man nicht eine grobe Kriegsmaschine, sondern den feinen Präzisionsmechanismus eines genialen Uhrenkünstlers zu sehen glaubt.

Auch Maschinenfabriken, welche stillstanden, wurden in Betrieb genommen. Wer in solchen Dingen nur ein bißchen bewandert ist, dem springt sofort ein sehr auffälliger Unterschied zwischen dem französischen und dem aus Deutschland bezogenen Arbeitswerkzeug in die Augen. Die französischen Bohrmaschinen und Eisendrehbänke sind nach Systemen von Anno achtzig und neunzig gebaut, der Mechanismus ist leichtsinnig und wackelig, die Arbeit ungenau. Wahrhaftig, die deutschen Maschinen stehen neben den französischen wie ein strammer, verläßlicher deutscher Soldat neben einem wehleidigen Ohlala! Daß man unsere deutsche Industrie um den Weltabsatz betrügen wird, brauchen wir wahrhaftig nicht zu besorgen. In unserer deutschen Industrie stecken die gleichen sieghaften Kräfte wie in unserem deutschen Volksheer.

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Eine tiefe Erschütterung befiel mich beim Besuch einer Werkstätte, die keinen deutlichen Namen hat, nur »Reparaturstelle« heißt. Hier werden die Gewehre, Waffen, Armierungsteile und alle sonstigen Fundstücke des Schlachtfeldes gereinigt und wieder brauchbar gemacht. Durch jeden der Helme, Tornister und Mäntel, die ich da aufgeschichtet sah wie etwas tadellos Neues, ist irgendeinmal und irgendwo der harte bleierne Tod gegangen. Jetzt wird das gesunde Leben sie wieder tragen, zu unserem Schutz!

Unter den vielen Dingen, die vom Schlachtfeld zu dieser Reparaturstelle kamen, sah ich eine für Europa sehr wunderliche Beutegattung: die aus drei zähen Holzarten zusammengefügten zwei Meter langen Bogen indischer Urwaldleute oder afrikanischer Pfeilschützen! Solche Waffen und solche Kämpfer gegen unsere Maschinengewehre und Mörser ins Gefecht zu hetzen? Ist das nicht sinnlos und idiotisch? Ganz abgesehen davon, daß es auch verbrecherisch ist!

Von den fünfzig oder sechzig Bogen, die ich bei der reichen Schlachtbeute liegen sah, sind die meisten entzweigebrochen. Das geschah wohl nicht im Kampfe. Ich vermute, daß die Leute, welche diese Bogen auf dem Schlachtfeld zusammenlasen, sie aus Neugier und in Unkenntnis dieser exotischen Waffe nach der falschen Seite zu spannen versuchten. Krümmt man einen solchen Bogen, der auch ungespannt eine Biegung zeigt, nach einwärts, so zerbricht er; man muß ihn, um ihn elastisch zu machen, über die Biegung nach auswärts spannen.