Diese für die deutsche Arbeit hinter der Front höchst nützliche Dame ist die achtzehnjährige Elefantin »Jenny«, welche Hagenbeck für die Etappenarbeit zur Verfügung stellte. Und daß dieses fleißige, für Deutschland rastlos arbeitende Fräulein eine Tochter des englischen Indiens ist, das erscheint mir als ein besonders erquickender Gedanke.
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Bei Fourmies stand ich vor einem Wunderbau deutscher Technik. Die Franzosen haben hier einen Eisenbahnviadukt, der ein dreißig Meter tiefes und zweihundert Meter langes Tal übersetzt, in seiner ganzen Länge gesprengt. Sie hofften, daß die Zerstörung einer Brücke, deren Bau mehrere Jahre erfordert hatte, den Bahnbetrieb der Deutschen auf dieser Strecke für die ganze Okkupationsdauer lahmlegen würde. Dabei ließen sie die deutschen Pioniere außer Rechnung. Die haben hier, neben und zwischen einem Wirrsal von Trümmern, in nicht ganz drei Wochen eine mit genialer Grazie konstruierte Holzbrücke erbaut, über welche jetzt die schweren Proviantzüge mit zwei Lokomotiven und fünfzig Wagen hinübergleiten, ohne daß ein merkliches Zittern des Baues zu spüren ist. Ich guckte von oben hinunter und guckte von unten hinauf an diesen dreißig Meter hohen, scheinbar aus zarten Spänen, in Wirklichkeit aus fünfzehn Meter langen Baumstämmen dreistöckig gefügten Pfeilern – und ich entblößte meinen Kopf, wie man's vor einer heiligen Sache tut. Deutsche Arbeit! Welch ein irdisches Ding könnte uns heiliger sein! Der Gedanke, daß die Franzosen, deren geistreichstes Kampfmittel in der zwecklosen Zerstörung ihres eigenen Gutes besteht, uns jemals niederringen könnten, wird beim Anblick solcher Arbeit eine drollig wirkende Vorstellung. Ich hörte über diese französische Kampfmethode von einem Amerikaner das charakteristische Wort: »Das ist nicht mehr militärisch, das ist idiotisch!« Und neulich, bei einer mehrstündigen Beschießung von Guillemont, haben die Franzosen keinen deutschen Soldaten getroffen, nur sieben französische Bauernweiber totgeschossen oder schwer verwundet.
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Von den eingehobenen Steuerbeträgen decken die Deutschen pünktlich alle Gehaltsquoten der Staats- und Gemeindebeamten, solange diese ordnungsgemäß ihre Arbeitspflicht erfüllen. Diese Bedingung ist eins von den Mitteln, durch die alle französischen »Regierungsgewalten« der okkupierten Gebiete, auch die Professoren und Volksschullehrer, bei andauernder Besonnenheit erhalten werden. – In einem Städtchen, wo ich einige Tage Station machte, schwatzte ich gern und viel mit dem kleinen, achtjährigen Töchterchen meiner Quartierleute. Das liebe Kind, das immer zutraulicher wurde und mir prompt jeden französischen Sprachschnitzer korrigierte, berichtete mir in naiver Verwunderung: Vor dem Kriege hätte der Herr Lehrer in der Schule erzählt, daß jeder deutsche Soldat die französischen Kinder mit Zündhölzchen brenne und aufs Bajonett spieße – und jetzt versichere er täglich, daß es auf der ganzen Welt keine gutmütigeren und freundlicheren Menschen gebe als unsere Feldgrauen. – Ja! Der regulierbare Brotkorb ist ein sicher wirkendes Mittel, um Frankreichs irrsinnig gewordene Pädagogen zu verständiger Menschenkenntnis genesen zu lassen.
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Eine dankbare Würdigung verdient die kluge, rationelle Landwirtschaft und Verproviantierungspolitik, die unsere Feldgrauen hier betreiben.
Was die Bevölkerung hier an Vieh und Geflügel zu ihrer Ernährung benötigt, wurde ihr belassen. Alles übrige Vieh wird von den Feldgrauen gesammelt, behütet und gemästet, um unsere Armee auf dem Umweg durch die Feldküchen zu kräftigen. Unsere Feldküchen, ohne deren segensreiche Existenz die deutsche Kriegführung in den gegenwärtigen Formen mit so verläßlichem Erfolge nicht möglich wäre, können ruhelos brodeln und dampfen – der Materialnachschub wird ihnen nicht ausgehen! Nicht nur das Nötigste ist vorhanden; zuweilen kann man sogar ein bißchen schlemmen. Ja! Am gastlichen Kasinotische des Generalkommandos unseres 1. bayrischen Armeekorps hab' ich herrliche Leckerbissen verzehrt: Blutwurst, Leberkäs und Schwartenmagen. Und einmal – in seliger Erinnerung verdrehe ich jetzt noch die Augen – da gab es sogar Münchener Weißwürscht! Leider nur zwei Paar pro Seele. Aber frisch im Felde gemacht! – Treues Bayernherz, was begehrst du mehr? Da kannst du auf Hummern, Austern und Kaviar verzichten und dich aussöhnen mit aller Mühsal des Krieges!
Ganz famos schmecken die K-Kipfelchen und das Kommißbrot. In Wißbegierde nach dem Werdegang dieser grauen und schwarzen Köstlichkeiten besuchte ich die Bäckerei. Sie ist in zwei großen Meierhöfen installiert, so praktisch, als wären die beiden französischen Fermen eigens für diesen schönen deutschen Zweck erbaut worden. Vierundzwanzig aus Ziegelsteinen gemauerte Backöfen! Wie es da duftet! Nur ein bisserl warm ist es, sehr warm! Die Besichtigung beginnt bei der Mehlkammer; nach zehn Schritten steht man vor den Backtrögen – die knetenden Soldaten haben Bizepse wie Athleten; von der Teigwage wenden wir uns zum Brotformer: schwupp, ist der Laib schon weg, im heißen Ofen, und ehe man sich ein bißchen umsieht, dampft die Wassernetzung auf der braunglänzenden Brotrinde! Ich versuchte es, mich in den Gedankengang eines Bäckereisoldaten hineinzuversetzen, der innerhalb seiner Schicht ungefähr fünfzehntausend dampfende Brotlaibe mit der Wasserbürste überstreicht – aber ich muß bekennen, daß meine sonst sehr bewegliche Phantasie da nicht ausreichte. So wird hier Tag und Nacht an allen vierundzwanzig Öfen mit achtstündigem Schichtwechsel ununterbrochen durchgearbeitet. Bereits am 15. Januar konnte diese Bäckerei das Jubiläum der viermillionsten Portion feierlich begehen.
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