usw. das Alphabet durch. Vielleicht gelänge es mir auch, aber ich fürchte, ich würde wenige Leser finden und nichts damit ausrichten.

Vielleicht steht auch schon alles über die Mannhaftigkeit bei Wundt. Da mag man also nachschlagen. Ich kenne die Bücher dieses Herrn, der allen Ernstes ein sehr gelehrter und bedeutender Psychologe sein soll, noch nicht. Sie sind mir auch hier unerreichbar. Ich sitze nämlich in einem steirischen Bauernstübl, rings umgeben von hohem felsigen Gebirg. Im weiten Umkreis keine philosophischen Bücher. Schulferien sind vorbei, also auch nirgends ein Mensch, den ich um Rat fragen könnte. Nirgends, soweit ich die Stimme, die rufende, schicke, ein preußischer Gymnasialdirektor, nirgends ein Geheimer oder Wirklicher Geheimer Rat. Eher, glaube ich, könnte ich jetzt hier in den Bergen einen alten Gemsbock greifen.

Und doch soll und will ich weiterleben, weiterdenken, weiterschreiben – sogar über Erziehung zur Mannhaftigkeit schreiben! Versuchen wir es also auf gut Glück, wenn's einmal sein muß, mit unserer eigenen Begriffsbestimmung!

Erst muß ich bemerken, daß mir das Wort Mannhaftigkeit in der Regel zu eng gefaßt zu werden scheint, nämlich fast ausschließlich in Beziehung auf kriegerische und dem verwandte Betätigungen.

Unser Thema hat, was man so zu nennen beliebt, ein »aktuelles Interesse«, denn es hat unseren Kaiser und folglich auch unsere Presse in letzter Zeit beschäftigt.

Anläßlich eines vom Norddeutschen Regattenvereine diesen Sommer (1906) in Cuxhaven veranstalteten Festes sagte nämlich unser Kaiser wörtlich wie folgt:

»Der Sport, den wir betreiben, hat auch einen ernsten Hintergrund, und das ist das zweite, was zu unserer Entwicklung notwendig ist, daß wir Männer, daß wir Charaktere haben, daß unsere Männer sich bewußt sind der Wichtigkeit der deutschen Männlichkeit. Der deutsche Manneswert kann sich bewähren auf verschiedenen Gebieten, im Heere, im Zivildienst, auf der Flotte, im Dienst in den Einzelstaaten, in den Gemeinden, aber am besten wird er ausgebildet, am besten und klarsten wird unseren Deutschen das Auge gemacht, wenn sie auf das Salzwasser kommen. Daher begrüße ich in jedem von Ihnen einen meiner Mitkämpfer und Mitarbeiter an dem Werke, unsere deutschen Männer zu erziehen, damit sie in der Lage sind, mit offenem Blick ihr ganzes Sinnen und Trachten in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Daß unserem Vaterlande eine solche schöne Entwicklung beschieden sein möge, daß unser Segelsport gewinnen und blühen möge, daß Sie ein fröhliches und lustiges Segeln auch in diesem Jahre haben mögen, darauf leere ich mein Glas. Es leben die Segler! Hurra, hurra, hurra!«

Männer setzen Knaben voraus. Wenn wir Männer und Charaktere haben wollen, müssen wir sie heranbilden oder wenigstens wachsen lassen. Das ist also eine Sache der Erziehung. Da haben alle Eltern und Lehrer nicht bloß mitzusprechen, sondern auch mitzuhandeln. Das gibt uns ein Recht, die Ratschläge des Kaisers zu prüfen.

Wir unterschätzen gewiß alle weder unser Heer, unsere Marine, noch den Segelsport, erkennen alle sehr wohl die stählende Kraft, die in dem Umgang und Kampfe mit dem Meere liegt, halten aber doch die Frage für berechtigt, ob sich denn wirklich der deutsche Manneswert nur im Heere, im Zivildienst, auf der Flotte, im Dienst der Einzelstaaten, in den Gemeinden bekunden und bewähren kann? Wenn es sich nur um diese Richtung und Ausbildung des Manneswertes handelte, so bedürfte es kaum erneuter und besonderer Anstrengungen. Das deutsche Volk hat sich vor dem Feinde, in Gefahr und Not noch stets bewährt. Auf der weiten Erde steht unser Volksheer in dem Rufe der Unbesieglichkeit. Die staunenswerten Kriegstaten von 1864, 66, 70–71 rechtfertigen dieses Urteil. Nicht minder ruhmeswert ist das, was seit drei Jahren unsere Truppen unter unsagbaren Schwierigkeiten des tropischen Klimas in Afrika leisten.

Ultra posse nemo obligatur – lautet ein alter Rechtssatz. »Über sein Vermögen wird niemand verpflichtet«. Diese Männer aber überbieten fast das menschliche Vermögen und bestehen Heldentaten, während ihr Leib in der Dürre der Wüste schon zu Tode verschmachtet. Ihre Leistungen an Willenskraft sind noch nie übertroffen worden.