Und wahrlich, nicht umsonst versiegt all das kostbare deutsche Blut, fließt all der saure Schweiß unserer Brüder in Afrikas Wüstensand: Mag der volle äußere Erfolg auch noch ausstehen: das eine lehren diese Helden uns und vor allem auch unsere Feinde, daß der Deutsche heute so gut wie jemals für seine Ehre und für seine Pflicht ohne Klagen mannhaft zu leben und zu sterben weiß.

So werden ihre Taten uns den kostbaren Frieden in Europa bewahren helfen, der bedroht war, weil unsere Neider den Wahn verbreiteten, die deutsche Einheit und Kraft gehe in die Brüche, zumal im Heere, das man durch politische Verhetzung und durch moralischen Verfall des Offizierstandes wurmstichig und im innersten Kern krank glaubte.

So schnell sinkt ein Volk von seiner Höhe nicht herab, so schnell läßt Art nicht von Art. Was ist denn geschehen im Bösen und Niedrigen, daß wir berechtigt wären, die Söhne der Sieger von Wörth und Sedan für minderwertig zu halten? Kein einziger ernster Vorfall in Heer und Marine, der zu wahrer Besorgnis Anlaß gäbe. Höchstens die Soldatenschinderei; aber die ist unbestreitbar im Abnehmen. Liebeshändel aber und dann und wann ein Jeuchen hat es gewiß nicht minder in dem Musterheere des Großen Fritz gegeben. Auch unsere Sieger von 1870/71 waren in dieser Hinsicht keine Tugendbolde.

Was geschehen könnte, um bei uns die kriegerische Tüchtigkeit von Offizieren und Mannschaften noch zu steigern, darüber müssen wir die Herren vom Fach entscheiden lassen.

Unser Heer, einschließlich natürlich die Marine, ist jedenfalls eine so bewährte Schule zur Mannhaftigkeit, daß es neu erfunden werden müßte, wenn es noch nicht bestände. Es ist die großartigste organisatorische Schöpfung der neuen Welt. Das alte Rom hatte in seiner Glanzzeit etwas Ähnliches, blieb aber doch mit seinem Heere hinter dem zurück, was wir vor Augen haben. Etwas anderes ist es natürlich, ob dieses nach wie vor tapfere Volk in Waffen gewillt sein und bleiben wird, dem Geiste und der politischen Richtung zu dienen, die zurzeit in Deutschland beliebt sind. Auch der russische Soldat ist tapfer und hingebend. Er hat es besonders im letzten Türkenkriege bewiesen. Schlecht regiert, konnte er aber seine Tapferkeit sogar gegen die eigenen Offiziere wenden. Mannhaft sind die Revolutionäre auch, die jetzt Heeresrevolten machen und mit Aufopferung ihres eigenen Lebens Bomben werfen – aber diese Art von Mannhaftigkeit wollen wir uns doch sorgsam vom deutschen Volksleibe halten! Das ist Sache der Regierung und der gesetzgebenden Körperschaften. Und da liegt auch der Schwerpunkt der Frage. Ebensowenig wie an eine bestimmte Regierungsform ist die Tugend der Mannhaftigkeit an irgendeinen Stand oder an irgendein Alter gebunden. Sie ist dem besseren Menschen angeboren, kommt nur in bestimmten Berufen, wie im Heere, am besten zur Ausbildung und am sichtbarsten zum Ausdruck.

Die zahlreichen Beweise von Heldentum, die auch im zivilen Leben vorfallen und wie sie uns die Zeitungen berichten, werden leider nicht gesammelt. Eine solche Statistik würde geeignet sein, unser nationales Selbstgefühl stark zu heben.

Wie viele Medaillen für Errettung aus Todesnot und mit eigener Lebensgefahr werden jährlich in Deutschland verteilt? Wie viele Feuerwehrmänner, See- und Bergleute, wie viele Bergführer finden in treuer Ausübung ihres Berufes und aus edelster Hingabe für andere den Tod?

Wir lasen von Knaben, die Heldentaten begingen, um ihre Geschwister oder Freunde zu erretten. Wir lasen vor einigen Jahren, daß bei dem Untergang eines Vergnügungsdampfers in der Elbemündung ein junger Kellner, der dem sinkenden Schiff entronnen war, trotz aller Bitten seiner Braut fünfmal in die Fluten zurückkehrte, um kleine Kinder vor dem Tode zu erretten, bis er selbst in den Wellen den Tod fand. Hätte das vor 3000 Jahren ein junger Spartaner oder Athener geleistet, sein Name lebte noch heute im Munde aller deutschen Kinder. Wir sind nicht umsonst ein »klassisch« gebildetes Volk!

Wenn wir die sozialistischen Blätter lesen, so wird uns darin erzählt, daß nur der Proletarier, der Mann der arbeitenden Klasse, zu so selbstloser Hingabe fähig sei. Richtig ist, daß man dort ein größeres Verständnis für die menschliche Not und einen stärkeren Willen findet, sie zu teilen und mit zu bekämpfen. Werktätige Nächstenliebe ist in den unteren Gesellschaftsschichten, die uns von reaktionslüsternen Nichtkennern als verroht und verkommen gezeichnet werden, gegenwärtig sehr stark entwickelt. Aber nur Partei- und Klassenhaß kann behaupten, daß die oberen kirchlich korrekten Gesellschaftskreise von solcher Gesinnung ganz ausgeschlossen wären. Was Ärzte, barmherzige Schwestern und Pflegerinnen aus vornehmen Häusern auf den Schlachtfeldern, in den Baracken von Cholera- und Typhuskranken allezeit geleistet haben, darf nicht verschwiegen bleiben. Häufig auch lasen wir, daß junge Offiziere Ertrinkende mit eigner Lebensgefahr errettet haben; und daß jeder Offizier, wie Bismarck ihm nachrühmte, seinen Mann aus dem dichtesten Kugelregen herausholt, daran hat sich seitdem auch nichts geändert. Den deutschen Offizier macht uns auch heute noch niemand nach.