»Allerdings – – nein!«

»Zweite Frage: Erziehen dieselben Schulen – wie in England – zur Mannhaftigkeit? Ja oder nein? Wäre es der Fall, so müßten wir doch in Deutschland Millionen mannhafter Männer haben. Haben wir das? Gehen bei uns die Geraden, Verläßlichen, Tapferen, Unentwegten, Selbständigen, die echten, schlichten Persönlichkeiten von sicherem Selbstgefühl und von klarem Willen millionenweise um? Ja oder nein?«

»Nein!«

»Also, so folgere ich wohl mit Recht, ist unsere Erziehung in der Schule falsch! Wenn eine Einrichtung gerade das nicht erreicht, was sie erreichen sollte, dann taugt sie nichts. Dann wäre es vielleicht sogar verdienstlicher, in dieses Nest hinein zu hofieren als neue Blumen darin aufzuhäufen, nicht wahr? Na, – ich will Ihnen die Antwort lieber erlassen.

Noch eins: Philologie und deutsche Jugenderziehung sind völlig getrennte Begriffe. Ich bin gerne klassischer Philologe, wünsche meiner Wissenschaft eine starke, blühende Entwicklung auf den Hochschulen, nicht aber in den Knabenschulen. Wissenschaften gehören auf die Universität.

Hofieren!? – das ist kränkend, ehrenrührig und zwingt mich zur Abwehr:

Meine Schrift ›Der Deutsche und sein Vaterland‹, auf die allein wohl der Zeit wegen jenes Urteil gehen kann, ist in 8000 Exemplaren verbreitet, manches einzelne Exemplar haben, wie mir nachgewiesen wurde, 40–60 Leser in Lesevereinen, Leihbibliotheken u. dgl. gelesen. Ich darf annehmen, daß an 100 000 deutsche Männer und Frauen mein Buch kennen. Die deutsche Presse hat sich zu 90% mit Wärme und mit vollster Zustimmung darüber ausgesprochen: es wurde selbst in der gegnerischen Presse als eine ›mannhafte Tat‹ bezeichnet. Eine große Anzahl von Männern, deren Namen jeder Deutsche mit Achtung ausspricht, hat mir persönlich in Schrift und Rede seinen Beifall bekundet. Eine große deutsche New Yorker Zeitung brachte über mich einen langen Artikel, der mit den Worten schloß (ich zitiere wieder aus dem Gedächtnis; zur Not wäre aber jene Zeitung gewiß noch zu finden): ›Einen Orden wird Gurlitt für diese Schrift in Preußen nicht bekommen. Wäre aber ich deutscher Kaiser, ich würde diesem Manne für seine Tat den Pour le mérite verleihen.‹

Ich lasse mir meine ehrliche Arbeit nicht verunglimpfen, von niemandem. Sie hat mir schwere Gewissenkämpfe und manche schlaflose Nacht gekostet, hat manch offenen ritterlichen Feind, aber auch eine wahre Meute von versteckten Neidern, Ehrabschneidern, Denunzianten und sonstigen Widersachern gegen mich in Tätigkeit gesetzt, und ich stehe dafür bis heute noch in einem heißen, aber, wie ich doch meine, guten und mannhaften Kampfe.

Hofieren?! Nein, mein Verehrtester, jene Arbeit kam mir aus Kopf und Herzen, nicht aus dem Gedärm.

Auch den Ausdruck ›litterarischer Sturmvogel‹ lasse ich in Beziehung auf mich nicht gelten.