Abb. 108. Häusliches Glück. (E. 788.) Illustration zu Karl Langs Almanach für 1796. Heilbronn.
Abb. 109. Geheuchelte Teilnahme.
Illustration zum Göttinger Taschenkalender. 1794.
Ungelenk und wenig selbständig sind die biblischen Kompositionen, wie die Heimsuchung und die Geburt Christi, die er zu Lavaters heute mit Recht völlig vergessenem Messias entwarf (E. 465, 466, 484–486, 512, 528, 532). Das vorige Jahrhundert hat den überkommenen Typenvorrat religiöser Stoffe durch eigene Erfindung nicht vermehrt, es zehrt vielmehr unbefangen von dem Vorhandenen und die Kunstlehren jener Zeit beschränken sich darauf, dem angehenden Künstler die Wahl unter den Vorbildern zu erleichtern. Um unserem Meister gerecht zu werden, dürfen wir indes nur seine Darstellungen etwa mit den oberflächlichen und ganz unselbständigen biblischen Historien des Radierers Bernhard Rode vergleichen, der als Direktor der Berliner Akademie eine bedeutende Stellung einnahm und viel gefeiert wurde.
Abb. 110. Der Geburtstag des Vaters. (E. 852.)
Illustration zu Karl Langs Almanach. Heilbronn. 1799.
War der Begriff geistigen Eigentums auf künstlerischem Gebiet wenig scharf abgegrenzt — und Chodowiecki selbst fand in späteren Jahren oft genug Gelegenheit, sich über Kopisten und Fälscher zu beklagen —, so fehlte es auch in der Litteratur und dem Buchhandel nicht an unlauteren Elementen, die sich durch unrechtmäßigen Nachdruck Vorteile zu verschaffen suchten. Gegen diese richtet sich ein satirisches Blatt, das Chodowiecki 1781 im Auftrage des Berliner Buchhändlers Himburg radierte: ein Buchhändler wird von Räubern, die ihre Beute in einer finsteren Höhle bergen, bis aufs Hemde ausgeplündert. Vergebens weist er auf die Gestalt der Gerechtigkeit, die am Wege niedergesunken, ihr Haupt verhüllt ([Abb. 93], E. 394). Seltsam wirkt dieser Appell an die Justiz freilich bei einem Buchhändler wie Himburg, dessen Name gerade durch seine Nachdrucke Goethes wenig rühmlich auf die Nachwelt gekommen ist.
Das Jahr 1786 brachte Chodowiecki, dessen Ansehen in der Berliner Kunstwelt in stetem Wachsen blieb, trotz mancher hämischen Kritik, an der es auch nicht fehlte, neue Pflichten und Arbeiten. Der Minister von Heinitz, der als Kurator der königlichen Akademie der Künste sich große Verdienste um dieses lange vernachlässigte Institut erwarb, suchte eine durchgreifende Reorganisation der akademischen Zustände herbeizuführen. Zwar blieb Bernhard Rode Direktor der Anstalt, aber die Zahl der Rektoren wurde vermehrt, und Daniel Chodowiecki als erster unter diesen zum Sekretär der Akademie ernannt. Gleichzeitig wurden jährlich akademische Kunstausstellungen eingerichtet, die das Interesse an künstlerischen Dingen im Publikum beleben und wachhalten sollten. Auch eine Monatsschrift und öffentliche Sitzungen der Akademie wurden eingeführt. Chodowiecki lag besonders die Vorbereitung der Ausstellungen ob, deren erste am 18. Mai des Jahres 1786 in den Räumen des Akademiegebäudes eröffnet wurde; ihm war auch die Abfassung des Ausstellungskatalogs übertragen worden.
Abb. 111. Friedrich Wilhelm II. im Kreise seiner Familie. (E. 832.)