Abb. 124. Illustration zum Lauenburger Genealogischen Kalender. 1780. (E. 306.)
Abb. 125. Entwurf zu einer Scene aus Shakespeares Hamlet.
Federzeichnung im Besitz der Frau Dr. Ewald. Berlin.
Abb. 126. Entwurf zu einer Scene aus Cervantes’ Don Quixote.
Federzeichnung im Besitz des Direktor Wichern. Altona.
Abb. 127. Entwurf zu der Radierung E. 176. Rötelzeichnung im Besitz der Frau Dr. Ewald. Berlin.
Die Aufklärung, die sich vergebens abmühte, den Aberglauben zu bekämpfen, unterstützte er mit satirischen Kalenderblättern (E. 634 bis 637) und wenn es galt, philanthropischen Unternehmungen und populärphilosophischen Bestrebungen künstlerisch das Wort zu reden, war er gern bereit, seine Radiernadel in den Dienst der Sache zu stellen, obwohl manchmal der Stoff recht trocken und widerspenstig war; so z. B. in Ziegenhagens Verhältnislehre, deren Theorie von allgemeiner Menschenbeglückung durch lehrhafte Einführung in die Werke der Schöpfung schließlich nur Stoff abgab für einige lustige Genrebilder, neben denen die Darstellung einer idealen Kolonie ([Abb. 117], E. 654) durch ihre pedantische Regelmäßigkeit der Anlage und die Fülle unzusammenhängender Einzelheiten ein recht charakteristisches Abbild gibt von der Nüchternheit der von Ziegenhagen verfochtenen Ideen. Besser sind die Interieurs geraten, die Handwerker und Gelehrte bei ihrer Arbeit schildern. Hier ließ den Künstler seine Beobachtungsgabe nicht im Stich, das waren Scenen aus dem Leben, wie er es erlebt, nicht wie er es erträumte. Immer wieder sehen wir ihn auch in diesen Jahren zurückkehren zu der Aufgabe, die ihm wie keine andere am Herzen lag: alles, was ihn umgab, mit treuem Griffel festzuhalten und damit Urkunden zu liefern, die das Leben und Treiben in der preußischen Hauptstadt am Ende des achtzehnten Jahrhunderts der Nachwelt mit unmittelbarer, überzeugender Lebenswahrheit vor Augen führen. So bespöttelt er 1794 mit echt berlinischem Witz in sechs Kupfern eine Polizeivorschrift, nach der ein jeder in den Straßen der Stadt seinen Hund an der Leine zu führen habe, und schildert uns die lustigen Scenen, zu denen diese neue Maßregel Veranlassung gab (E. 749: Berliner Folgsamkeit). So reizen ihn die Straßenfiguren in der neuen Modetracht ([Abb. 116], [118], E. 760 u. 886), die jetzt Frack und Cylinder aus England importierte. Den unverfälschten Geist des alten Spreeathen atmet auch die Neujahrswunschverkäuferin aus dem Jahre 1800, um deren unter einer Straßenlaterne errichtete Auslage sich alt und jung mit neugierig-kritischen Blicken drängt, während sie mit echt berlinischer Zungengeläufigkeit ihre Schätze anpreist ([Abb. 119], E. 946). Das Blatt ist nur in einfacher Umrißzeichnung ausgeführt und offenbar auf Illuminieren mit Wasserfarben berechnet, ähnlich den später viel verbreiteten Berliner Straßenscenen von Hosemann und anderen.