Bedeutung des Waldes.
Indem der Wald an den Gehängen überall den Boden befestigt und so die Entblößung des nackten Felsgesteines verhindert, indem er die Schneeschmelze reguliert, die Quellbildung und den Wasserablauf möglichst gleichmäßig auf alle Zeiten des Jahres verteilt und so die Hochwassergefahr vermindert, ist er, ganz abgesehen von dem Bargewinn einer rationellen Holzwirtschaft, die in Baden jährlich mehr als zwanzig Millionen Mark ergibt, von unberechenbarster Bedeutung. Die ausgedehntesten Waldungen besitzen der Staat, einzelne Städte, wie Freiburg, Baden und Villingen, ferner zahlreiche kleinere Gemeinden, viele Stiftungen und Großgrundbesitzer, wie z. B. der Fürst von Fürstenberg, sowie endlich die schon seit dem achtzehnten Jahrhundert bestehende Murgschifferschaftsgesellschaft (s. [unten]). Die Waldkultur und Holzverarbeitung jeglicher Art beschäftigt viele Kräfte. Sägemühlen gehören im Schwarzwalde zu den meist charakteristischen Erscheinungen. Die einst viel geübte Flößerei hat beinahe ganz aufgehört, seit das dichte Straßennetz und die Eisenbahnen die ihr einst gestellte Aufgabe erfüllen.
Was der Wald im Landschaftsbild bedeutet, was er Tausenden von Erholungsbedürftigen und Frieden Suchenden an Erquickung, Trost und Erhebung spendet, das empfinden wir alle dankerfüllt. Was er gerade ob dieses zunächst freilich nur psychologisch zu messenden Wertes für die moderne Welt geworden ist, das spielt allerdings auch in unserem neuzeitlichen Wirtschaftsleben mit seiner hochentwickelten Fremdenindustrie eine hochwichtigte Rolle.
Abb. 31. Grabkreuze.
Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu [Seite 46].)
Viehzucht und Ackerbau.
Mit der zunehmenden Besiedlung ist natürlich seit Jahrhunderten vom ursprünglichen Waldareal ein gut Teil gerodet worden; die Orts- und Flurnamen Rütte und Reute und ihre Verbindungen, ebenso Schwand, Schwende, Schweine deuten an sehr vielen Stellen auf die einst bei weitem größere Waldverbreitung hin. Wo auf den Höhen der Ackerbau ([Abb. 12]) nicht mehr lohnt und regelmäßige Wiesenwässerung undurchführbar ist, da dehnen sich weitum grüne, im Frühsommer blumengeschmückte Weideflächen aus, die, solange es die Jahreszeit erlaubt, großen Viehherden als Tummelplatz dienen. Der regelmäßige Ackerbau ragt bis zu 1000 m Meereshöhe auf, ja an manchen Stellen finden sich in der Umgebung der am weitesten nach oben vorgeschobenen Bauernhöfe und Tagelöhnerhäuschen noch bei 1200 m spärliche Hafer- und Kartoffeläcker. Daß aber in solchen Höhen der ausschließliche Feldbau nicht mehr lohnt, ist selbstverständlich; daher spielt auf dem Schwarzwalde die Viehzucht, gestützt auf großen Weide- und Wiesenbesitz, eine viel wichtigere Rolle, und neben ihr die Waldarbeit und Industrie, ohne welche viele Existenzen durch die Kargheit der Natur schwer gefährdet wären.
Viele Bergweiden, auch Wiesen und Ackerland manches allzu rauh gelegenen Bauerngutes sind seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vom Staate angekauft und aufgeforstet worden, so daß wir inmitten eines dicht bevölkerten Gebietes, das im allgemeinen den Boden immer intensiver auszunutzen gezwungen ist, die Waldfläche stetig sich vergrößern sehen. Um etwa 14% ist sie gegenüber dem Bestand von 1850 gewachsen, ein Umstand, der von manchem als wirtschaftlich unerfreulich hingestellt wird, der aber zweifelsohne als eine Verbesserung gelten muß, wenn man die dürftigen Zustände erwägt, unter welchen die durch die Aufforstung zu Orts- und Berufsänderung veranlaßten Bergbewohner einst gelebt haben.
Neben dem nicht sehr ausgedehnten Getreidebau — eigentlicher Großgrundbesitz fehlt fast ganz — ist die Anpflanzung von Kartoffeln im Schwarzwalde wichtig, Handelsgewächse (Tabak, Zichorie, Raps) haben nur in den tiefgelegenen, milden Tälern des Westens Bedeutung; dagegen ist der Obstbau von Belang. Unter dem Steinobst kommt den Kirschen ein ganz besonders hoher Wert zu; zahlreiche Gemeinden gewinnen durch großartigen Versand von frischen Kirschen, aber auch Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen usw., alljährlich viele tausend Mark, ganz abgesehen von der Edelbrauerei des berühmten Schwarzwälder Kirschen- und Zwetschgenwassers. Der herrliche Nußbaum ist einer der verbreitetsten Charakterbäume, und daß die Edelkastanie da und dort noch fast waldbildend auftritt, ist schon erwähnt worden.