Abb. 63. Das Münster in Freiburg vom Schloßberg aus gesehen.
Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin-Steglitz. (Zu [Seite 89].)

Dem Verfasser dieser Zeilen ist Basel oft als ein unschöner, ja widerwärtiger und sogar unausstehlicher Ort bezeichnet worden. Genauere Nachfrage nach der Begründung dieses Urteils ergab in allen Fällen, daß diejenigen, die es fällten, von der Stadt nichts kannten als die zwei Bahnhöfe und ihre Schienenverbindung, daß sie von nichts zu sagen wußten, als von der Hast des Umsteigens und des Gepäckschleppens, dem Ärger der Zollplackerei, dem Gedränge am Fahrkartenschalter und der Widerwärtigkeit des Geldwechselns. Nun, diese Dinge sind gerade keine Annehmlichkeiten, sie kommen aber an jeder Grenze vor und sind nicht der Mühe wert, den Gebildeten aus seinem geistigen Gleichgewicht zu bringen. Vor allem geben sie kein Recht, eine Stadt zu beurteilen, von der man nichts anderes kennt als diese negativen Zugaben zum Reisevergnügen.

Alle, die den Rat befolgten, nicht bei jeder Schweizerreise und Italienfahrt nur durch Basel durchzustürmen, sondern der Stadt auch einmal einen eingehenden Besuch zu machen, sind bald Verehrer und Freunde derselben geworden. In der Tat gewähren die drei stattlichen Rheinbrücken den Ausblick auf eines der packendsten Städtebilder, das wir genießen können; die Aussicht von der Pfalz oben am gotischen Münster unmittelbar auf den herrlichen Strom hinab und hinüber auf die nahen Schwarzwaldhöhen ist entzückend, der Kreuzgang am Münster mit seinen lauschigen, spitzbogenumrahmten Höfen und seinen Denkmälern aus mehreren Jahrhunderten ist einer der schönsten seinesgleichen. Steigen wir dann eines der steilen Gäßchen hinab in die belebten Straßen, die nach dem Marktplatz mit seinem alten, glücklich erneuerten Rathaus und weiter kreuz und quer zu dem massigen Bau des Spalentores führen, so bekommen wir den stimmungsvollsten Eindruck einer Stadt mit alter, hoher Kultur, in der aber das moderne Leben darum doch nicht minder lebhaft pulsiert. Das historische Museum, in der ehemaligen Barfüßerkirche aufs glücklichste und unter geschickter Anpassung an die gegebenen Räume trefflich untergebracht, wird den Altertumsfreund lebhaft fesseln; die Kunstsammlungen im Museum sind bekannt in ihrer hohen Bedeutung für die ältere deutsche Malerei, in erster Reihe für Holbein. Daß von dem Basler Böcklin, der in jungen Jahren die Wände im Treppenhaus mit großen Gemälden schmückte, nicht wenige seiner Schöpfungen in einem eigenen Saale vereinigt sind, verleiht der Galerie in neuerer Zeit eine besondere Anziehungskraft.

Abb. 64. Das Kaufhaus in Freiburg.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 89].)

Die naturwissenschaftlichen Sammlungen sind mit denen der Kunst unter einem Dach untergebracht, ebenso eine ethnographische Sammlung; der sehr schön angelegte und an seltenen Tierformen reiche zoologische Garten befindet sich im Südwesten vor der Stadt.

Abb. 65. Rathaus in Freiburg.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 89].)

All das und vieles andere von hervorragendem Wert ist entstanden durch den hoch entwickelten Bürgersinn der Basler, die ihre Stadt schon früh zu einer sehr reichen gemacht haben, indem sie die Vorzüge ihrer glücklichen Lage für Handel und Verkehr zu allen Zeiten auszunützen verstanden. Von dem in weitem Umkreis sprichwörtlich gewordenen Basler Reichtum zeugt auch die 1460 gegründete, blühende Universität, die bis zur Stunde von der Stadt allein erhalten wird; von ihm zeugen die zahllosen Wohltätigkeitsanstalten jeder Art und die in der ganzen Welt tätige Basler Mission. Von der Basler Gediegenheit bekommt aber schließlich nur der die richtige Vorstellung, dem gelegentlich ein Blick in eines der stolzen Patrizierhäuser zu tun vergönnt wird. Da ist nichts zu sehen von modernem Firlefanz, alles atmet altüberkommene, gewichtige Pracht. Kein Wunder darum, daß die Stadt für die Umgebung der Inbegriff des Großen und Vornehmen ist, daß sie anzieht wie ein Magnet. Waren doch 1888 schon von den Bewohnern nur 28% Stadtbürger, dagegen 37% sonstige Schweizer und 35% Ausländer, von denen weit über die Hälfte aus Baden stammte, und seither hat sich diese Zuwanderung, besonders aus dem Schwarzwald, noch wesentlich verstärkt. Schon vor hundert Jahren war Basel für den weitesten Umkreis schlechtweg „die Stadt“ und es entspricht ganz dem Empfinden von Tausenden, wenn der alemannische Dichter Johann Peter Hebel, der übrigens bei einem vorübergehenden Aufenthalt seiner Eltern 1760 in Basel geboren wurde, in einem seiner Gedichte sagte: