Abb. 78. Kurhaus Wehrawald bei Todtmoos.
Nach einer Photographie von G. Hahn in Todtmoos. (Zu [Seite 99].)
Abb. 79. Todtmoos. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 99].)
Vier Tunnels werden durchfahren, dazwischen haben wir herrliche Niederblicke in die enge Schlucht unmittelbar zu unseren Füßen; auf einer mächtigen Steinbrücke von 57 m Spannweite geht’s über die Runse des Schwändebachtobels und auf noch grandioserer Brücke, der größten ihrer Art in Deutschland, überschreiten wir schließlich die Wutach, genauer gesagt die Gutach, wie der Waldstrom hier noch heißt, um bald danach die weit vom gleichnamigen Dorf abliegende Station Kappel-Gutachbrücke zu erreichen. 64 m spannt der mächtige Brückenbogen, der das Wildwasser 34 m tief unter sich läßt. Die Umgebung dieser Brücke kann zu den eigenartigsten Landschaften des Schwarzwaldes gerechnet werden ([Abb. 49]). In tiefer Rinne, deren Querschnitt die für Erosionsschluchten charakteristische V-Form hat, tost der Bach über mächtige Gerölle; die Abhänge sind dicht bewaldet wie die umgebenden, sanft geformten Höhenzüge, von deren Tannendunkel das helle Grün eingestreuter Wiesenflächen sich kräftig abhebt. Über allem der Hauch ungetrübter Ursprünglichkeit, der Friede der Einsamkeit. Und mitten in diese stille Bergwelt ist nun die gewaltige Gutachbrücke mit ihrem kühn geschwungenen Bogen hineingestellt, über den scheinbar ganz langsam der Wagenzug hinrollt, um auch diese abgelegene Bergwelt ans Netz des Weltverkehrs anzuschließen. Der Gegensatz zwischen der Landschaft und dem mächtigen Werk der Ingenieurkunst wirkt vielleicht am stärksten, wenn man den Fußpfad unter der Brücke zum rauschenden Wildwasser hinabsteigt und aus der Tiefe herauf blickend das wunderbare Bild in sich aufnimmt.
Das Tal der Gutach-Wutach war bis 1904 das einzige des Gebirges, dem kein Weg der ganzen Länge nach folgte. Seither hat es der Schwarzwaldverein durch Anlage neuer Wege und durch teilweise Benutzung älterer Wegstücke möglich gemacht, zunächst von der Kappeler Brücke ab bis zur Schattenmühle zu gelangen, indem man dem eben erwähnten Fußpfad folgt und auf und ab, bald nahe am Fluß, bald hoch über demselben, mit wechselnden Blicken in die Schlucht und ihre Felseinrahmung sich zur großartig einsamen Einmündung des Röthenbaches und weiter zum Räuberschlößchen durcharbeitet, von wo die Schattenmühle, in einer freundlichen Talweitung am Fuß gelegen, erreicht wird. Von hier ist ein Abstecher in die an alpine Szenerien erinnernde Lothenbachklamm ([Abb. 50]) überaus lohnend, und bald ist dann das kleine Bade- und Kurhaus Boll erreicht, ein behaglicher Rastort mitten in der einsamen Wildnis der ernsten Bergwelt.
Abb. 80. Im Wehratal.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 100].)