Und was schließlich bei aller Verschiedenheit der Neigungen und Ansprüche Bewohner und gelegentliche Besucher gleichermaßen beglückt, das ist die herrliche nähere und weitere Umgebung der Stadt, zu der elektrische Straßenbahnen und Wege allerart hinausführen. Auf dem Lorettoberg steht eine Kapelle, in deren Außenwand eine Stückkugel eingemauert ist, die 1744 den Franzosenkönig Ludwig XV., als er von hier aus die Belagerungsarbeiten besichtigte, fast getötet hätte. Wer von dieser Stelle oder vom Schloßberg Umschau hält in die gottbegnadete Landschaft, dem wird das Scheiden nicht leicht werden, nachdem er sein Herz erfüllt hat mit den wechselvollen Eindrücken, die ihm der Rundblick gewährt auf die münsterüberragte Stadt im Kranz ihrer Villen, Gärten und Berge, nachdem er über der weiten Ebene das Vulkangebirge des Kaiserstuhls und dahinter den langen Zug des Wasgenwaldes erschaute, und über dem reichen Grün der nächsten Nähe seinen Blick erhob zu den schöngeschwungenen Berglinien des Schwarzwaldes, die ihn einladen zum Wandern, Schauen und Bleiben. Ob er dann die Schritte ins Revier des Schönberges oder zum Roßkopf mit seinem Aussichtsturm oder zum Stammschloß des badischen Herrscherhauses, der Zähringer Ruine, oder nach dem idyllischen St. Ottilien oder zum Waldsee oder nach dem ewig lieblichen Günterstal lenkt, es ist immer eines, was ihn beglückt, nämlich der Genuß unvergänglicher Naturschönheit, wie sie auf engem Raum nicht leicht in gleicher Fülle und Lieblichkeit anderswo sich ausgestreut findet.

Abb. 95. Breisgauerin.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg.
(Zu [Seite 103].)

Abb. 96. Markgräflerinnen.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 103].)

X. Über Berg und Tal im südlichen Schwarzwald.

Wegsamkeit des südlichen Schwarzwaldes.

V

on jedem Punkt der Umrandung des südlichen Schwarzwaldes, zu allermeist aber von Freiburg aus, führen bequeme Wege ins Innere des Gebirges. Die Haltestellen der Höllentalbahn zwischen Kirchzarten und Titisee, die von der Breisgaustadt höchstens bis zu anderthalb Stunden Fahrzeit erfordern, lassen den 1493 m hohen Feldberg in drei Gehstunden oder nur wenig mehr ersteigen; da ferner von Basel aus durch das Wiesental bis nach Todtnau, das unmittelbar am Südfuße des Feldberges liegt, ebenfalls ein Schienenstrang führt, so ist auch von dieser Seite her die höchste Gebirgserhebung mühelos und in kürzester Frist erreichbar. Die eisenbahnfernste Gegend zwischen Freiburg und Waldshut, Basel und Zollhaus, die Umgebung von St. Blasien, liegt in der Luftlinie nur etwa 15 km von der nächsten Bahnstation ab; es können daher bequem Tageswanderungen quer durch das ganze Gebirge ausgeführt werden, die es gestatten, am Abend wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Dazu kommt, daß die Landschaft trotz ihrer bedeutenden Höhenunterschiede die Eigenschaft der Durchgängigkeit in hervorragendem Maße besitzt. Ist doch der Schwarzwald im ganzen, dank seiner Neigung zur Plateaubildung, auffallend hoch hinauf stark besiedelt; die Folge davon ist selbstverständlich auch ein dichtes Netz von Verbindungswegen jeder Art. Zu den prachtvoll gebauten Landstraßen längs der Wasserläufe der Täler, über die Pässe von einem Talgebiet zum anderen und über die aussichtsreichen Höhen hin — ein Dorado für die Radfahrer — kommen wohlangelegte Fahrwege auch zu dem in tiefster Einsamkeit oder auf höchster Höhe gelegenen Bergdorfe, sowie sehr gute Forststraßen, die zur Verbilligung der Holzabfuhr aus den Waldungen in wachsender Ausdehnung gebaut werden. Und endlich haben wir eine reiche Fülle von Gehwegen, die entstanden sind als Verbindungen von Einzelgehöften, Weilern und Dörfern, als Hutpfade im Interesse der Forstwirtschaft, oder im Dienste der Wanderlust an sich.