Abb. 93. Stutz bei Schönau. Im Hintergrunde der Belchen.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 103].)
Freiburgs Bauten.
In all diesem Wandel der Verhältnisse ist aber neben der landschaftlich so unvergleichbar schönen Umgebung mit der weiten, gesegneten Ebene, der wein- und obstreichen Vorbergzone und dem formenreichen, stolz aufragenden Waldgebirge ([Abb. 61]) eines stets unverändert geblieben, das ist das wunderbare Wahrzeichen dieser Stadt, ihr frühgotischer Dom mit seiner himmelanstrebenden, durchbrochenen Pyramide, die weder in Straßburg noch in Köln, nicht in Ulm und nicht in Wien ihresgleichen findet an Anmut und Zierlichkeit des Aufbaues bis hinauf zur Spitze, die 120 m über dem Boden sich in den Äther verliert ([Abb. 62] u. [63]).
Bauten, geistiges Leben.
Von anderen alten Gebäuden mögen das Kaufhaus ([Abb. 64]) und das Kornhaus am Münsterplatz mit seinem volkstrachtenbelebten Samstagsmarkt, die Franziskanerkirche und das geschmackvoll restaurierte Rathaus ihr gegenüber genannt werden ([Abb. 65]), ferner der Basler Hof (Bezirksamt), das Falkensteinische Haus u. a. m. Das Schwaben- und Martinstor ([Abb. 66]) sind kürzlich stilvoll umgebaut und dabei wesentlich erhöht worden. Sonst sind nicht gerade sehr viele alte Gebäude da, die Belagerungen von 1644, 1713 und 1744 scheinen damit gründlich aufgeräumt zu haben, so daß trotz neuerlicher Bestrebungen einer altertümlichen Bauweise Freiburg tatsächlich überwiegend den Eindruck einer modernen Stadt macht. Hauptverkehrsader ist die Kaiserstraße, die von Nord nach Süd läuft; ihre Brunnen und das hervorragend schöne Siegesdenkmal für 1870/71 beleben sie aufs günstigste. Die alte Universität, ein unansehnliches Gebäude, dem man das ehemalige Jesuitenkloster auch ohne die danebenstehende Barockkirche deutlich anmerkt, wird in kurzem verlassen werden. Der stattliche Prachtbau, der sie ersetzen wird, geht seiner Vollendung entgegen; zusammen mit dem Bibliotheksbau und dem eben vollendeten neuen Stadttheater hat er dem Platz an der Werderstraße ein ganz hervorragendes monumentales Gepräge verliehen. Sehr ansehnliche Bauwerke sind auch die neueren Schulgebäude, die zahlreichen medizinischen und naturwissenschaftlichen Anstalten, das Diakonissenhaus, die St. Johannes- und die Herz-Jesukirche. Die romanische Ludwigskirche verdient dadurch Interesse, daß sie einst als Thennenbacher Klosterkirche in weltabgeschiedenem Waldtal hinter Emmendingen stand, nach Aufhebung der Abtei abgebrochen und um 1830 in Freiburg neu aufgebaut wurde.
Freiburg ist der Sitz zahlreicher Behörden, sowie des Erzbistums für die oberrheinische Kirchenprovinz; es liegen hier ein Infanterie- und ein Artillerieregiment, die Stäbe einer Infanterie- und einer Artilleriebrigade sowie der Stab der 29. Division. Ihren größten Schatz aber birgt sie in ihrer Universität, der Alberto-Ludoviciana, die 1456 von Erzherzog Albrecht von Österreich gegründet und nach dem Anfall der Stadt an Baden 1806 durch Großherzog Ludwig erneuert wurde. Vor vierzig Jahren zählte sie kaum mehr als 200 Studierende, und man fürchtete für ihr Bestehen. Da führte ihr seit 1871 die Gründung des Deutschen Reiches neues Leben zu, und jetzt haben wir im Sommer schon 2900 Studenten gehabt.
Abb. 94. Zell im Wiesental.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 103].)
Hand in Hand mit diesem Aufschwung ging der der Stadt selbst. Und damit ward auch der alte, etwas kleinliche Geist, wie ihn enge Verhältnisse überall mit sich im Gefolge haben, endgültig gebannt. Heute ist Freiburg nicht nur unbestreitbar die schönste der deutschen Universitätsstädte, sondern sie ist auch, was ihr Name sagt, eine freie Burg der Forschung, der Geistesarbeit auf allen Gebieten, ein Hort des Deutschtums, ein fruchtbarer Boden für jegliche Betätigung des bürgerlichen Gemeinsinnes, des Fortschrittes. Daß sie auch für die Bedürfnisse der Geselligkeit alles Wünschenswerte bietet, dafür sorgen in reichlicher Weise Theater und Konzerte, Vorträge und Vereinsveranstaltungen jeglicher Art.
Freiburgs Umgebung.