Der Schwarzwaldverein.

In letzterer Hinsicht hat seit 1864 der Schwarzwaldverein, der sich den Zweck setzt, die Kenntnis des Schwarzwaldes zu erweitern und zu verbreiten, das Reisen und den Aufenthalt in ihm zu befördern, sowie dessen Naturschönheiten bekannt und zugänglich zu machen, ungeheuer viel geleistet. Jede noch so tief im Wald versteckte Felsschlucht ist zugänglich gemacht worden, ebenso jeder Berggipfel und Aussichtsfels, und zwar nicht etwa durch gefährliche, schwindelerregende Steige, sondern durch kunstvoll angelegte, mit Tausenden von Wegweisern und Farbzeichen versehene, sichere Wege, durch Brücken und Stege, die das Wandern erst recht genußreich machen. Nehmen wir dazu noch das reichliche Vorhandensein von offenen Schutzhütten und Aussichtstürmen, so haben wir in diesen Dingen die dankenswerten Ergebnisse einer segensreichen, praktischen Arbeit, durch die im Laufe der Jahre tatsächlich die ganze Physiognomie des Gebirges eine andere geworden ist.

Wer die moderne Touristik nur nach etwaigen Äußerlichkeiten und Nebensächlichkeiten beurteilen wollte, die ja allen menschlichen Bestrebungen und Einrichtungen anhängen, ohne ihr Wesen auszumachen, der täte ihr unrecht. Es steckt in den Touristenvereinen, und im Schwarzwaldverein ganz besonders, ein gutes Stück von deutschem Idealismus. Durch ihre Wegbauten und Wanderfahrten locken sie gar manchen, dessen Auge sonst nie für die Natur erschlossen worden wäre, hinaus in Wald und Flur, über Berg und Tal; indem sie auf die Schönheit der Heimat hinweisen, bereiten sie der Liebe zur Heimat und zum Vaterland eine Stätte im Herzen und wirken so im besten Sinne des Wortes erzieherisch. Indem endlich durch ihre Tätigkeit Gebiete, die früher abseits von der Heerstraße lagen, auch Fremden gegenüber ihre Anziehungskraft ausüben lernen, hebt sich Handel und Wandel nach vielen Richtungen. Die glänzenden Erfolge der heimischen Fremdenindustrie sind nicht denkbar ohne die Vor- und Mitarbeit des Schwarzwaldvereins, des badischen wie des württembergischen, die beide ihren Vereinszweck auch noch dadurch zu fördern suchen, daß sie der Landes- und Volkskunde, sowie der Touristik dienende Veröffentlichungen herausgeben[1].

Die Höhenwege.

Bei all den vielen Tausenden, die beruflich jahraus, jahrein das wirre Getriebe der Städte über sich ergehen lassen oder gar tätig in dasselbe eingreifen müssen, erscheint der Wunsch, gelegentlich den Niederungen der Menschen möglichst vollständig zu entfliehen, nur allzu begreiflich und berechtigt. Ihnen kommen seit kurzem im Schwarzwald einheitlich mit roter Raute bezeichnete Höhenwege zugute, die von Pforzheim einerseits bis Basel (Höhenweg I), anderseits bis Waldshut (Höhenweg II) so weit es immer angeht, stets den Gebirgskämmen folgen und diese nur dann verlassen, wo es unvermeidlich ist. Zu den Haupthöhenwegen führen von allen Talstationen aus Zugangswege, die mit blauer Raute und entsprechenden Nummern (1, 2, 3...) ausgezeichnet sind. Den südlichen Schwarzwald erreicht der 1901 vollendete Höhenweg I von Norden her beim Titisee. Indem wir ihm folgen, überqueren wir ohne Beschwer die stolzesten Gipfel des Gebirges und gewinnen dabei die lohnendsten Blicke über dasselbe.

Immer im Zeichen der roten Raute steigen wir von den Gasthäusern am See die schöne Straße längs seiner Ostseite hinan und freuen uns der glitzernden Grüße, die die Spiegelflut durch das Geäst der schwarzen Tannen heraufwinkt. Wo die Straße nach Lenzkirch (802 m) umbiegt ([Abb. 67]), einem schmucken Industrieorte mit großer Uhrenfabrik, um weiterhin den Bahnhof Kappel bei der großen Gutachbrücke zu erreichen oder über die einsamen Höhen im Süden der Wutach gegen Bonndorf weiterzuziehen, da verlassen wir sie und folgen einem entzückenden Waldweg mit gelegentlichen Niederblicken auf den stillen Bergsee und seine stimmungsvolle Umgebung. Die Verkehrsbedeutung der herrlichen Straße Titisee-Lenzkirch-Bonndorf ist neuerdings vermindert worden, seit nämlich von der Station Kappel-Gutachbrücke (s. [S. 76]) der Linie Donaueschingen-Freiburg eine Nebenbahn abzweigt, die nach Lenzkirch führt, aus dessen Kopfstation sie sich ostwärts wendet, um hoch über dem tief eingeschnittenen Wutachtal Bonndorf zu erreichen. Diese neue Gebirgsbahn erleichtert den Zugang nach Boll und zur Wutachschlucht wesentlich, nicht minder auch den zu den südlichen Schwarzwaldtälern der Schwarza, Steina, Schlücht (s. [unten]).

Abb. 102. Spinnstube im Kapplertal bei Freiburg.
Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu [Seite 107].)

Der Feldberg.