Beim Sattel von Bärental ([Abb. 68]) erreicht der Höhenweg die Straße, die von der Westseite des Titisees und von Hinterzarten herkommt, geht auf ihr in herrlichstem Hochwald bequem aufwärts, tritt bei der Jägersmatte (1230 m) aus dem Wald und gelangt dann in kurzem zum großen, aber urbehaglichen Gasthaus des Feldbergerhofes ([Abb. 69]), der in einer Meereshöhe von 1279 m gelegen ist. Von hier braucht man zum mächtig aufragenden Bismarckdenkmal ([Abb. 70]) auf dem Seebuck (1450 m) und zum Friedrich-Luisenturm auf dem Feldberg (1493 m) noch ein kleines Stündchen.

Abb. 103. Bei Horben.
Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu [Seite 107].)

Von der herrlichen Welt, die sich vor den Augen des Feldbergbesuchers ausbreitet, ist schon die Rede gewesen. Die Schönheit des Feldbergs liegt darin, daß wir in ihm nicht einen räumlich engbegrenzten Gipfel haben, sondern einen Bergstock von ansehnlichem Umfang, dessen Fuß nördlich an der Sohle des Höllentals und südlich an der des oberen Wiesentals liegt, während er westlich durch den Straßenzug Todtnau-Kirchzarten, südöstlich durch die Linie Todtnau-Titisee begrenzt werden kann. Auf diesem großen Raume bietet sich nun eine reiche Fülle von landschaftlicher Schönheit, deren Wechsel nie eintönig wird, wie auch ein fröhlich-sorgloses Umherschlendern auf den freien Höhen des Feldberggebietes nie ermüden wird. Tage-, ja selbst wochenlang bleibt der Feldbergerhof als Standquartier eine Fundgrube immer wieder neuer Entdeckungen im luftigen Revier seiner Umgebung. Auch die Zastlerhütte ([Abb. 72]) in dem großartigen Kartrichter am Nordgehänge oder die Todtnauerhütte an der sonnigen Südflanke des Berges oder das neue Gasthaus am Sattel des Zeiger sind keine schlechten, wenn auch einfache Raststätten.

Das Wegnetz ringsum ist sehr dicht und bietet Befriedigung für jeden Geschmack. Wie herrlich ist nicht der kühn angelegte Felsenweg hoch über dem Felstrichter des Feldsees (1113 m), wie lauschig der Niederstieg zu dem stillen Wasserspiegel durch die üppigste Fülle kraftstrotzender Waldvegetation ([Abb. 74]). Und all die Pfade, die vom Höllental, von Kirchzarten her durchs Zastler- oder St. Wilhelmstal oder über die Höhen zwischen diesen Einschnitten heraufführen, wie sind sie schön, wie wohlig wandert es sich auf ihnen! Nicht minder lohnend sind die Abstiege nach Osten und Süden in die Gebiete des Schluchsees, ins Alb- oder Wiesental. Sehr bevorzugt ist der Feldberg jetzt auch im Winter, wo er zum Schneeschuhsport einlädt, dem seit Jahren im Schwarzwalde sehr energisch obgelegen wird ([Abb. 71]). Tage mit Wärmeumkehr auf den blendend weißen Höhen — und sie sind ja viel häufiger, als man unten im Tale ahnt — gehören zum Genußreichsten, was das Gebirge bieten kann.

Abb. 104. Haldenwirtshaus am Schauinsland im Winter.
Nach einer Photographie von Dr. Hoek in Freiburg. (Zu [Seite 107].)

Der Höhenweg I.

Am Feldbergerhof gabelt sich unser Höhenweg I in zwei Äste, die das Wiesental westlich und östlich umfassen, um schließlich in Basel wieder zusammenzustoßen. Wir schlagen zunächst den östlichen der beiden Hochpfade ein und steigen vom nahen Sattel des Zeiger (1234 m), an dem die Wiese nach Westen, die Alb nach Osten abfließt ([Abb. 73]), zwischen den Tälern dieser Flüsse zum 1415 m hohen Herzogenhorn auf ([Abb. 75]), von wo, ganz abgesehen von der herrlichen Alpenaussicht, der Niederblick über die schroffen Felsabstürze hinab ins grüne Bernauer Tal unendlich lieblich ist. Die weit zerstreute Gemeinde Bernau mit ihren zahlreichen Weilern und Gehöften ([Abb. 76]) ist ein Hauptsitz der Schwarzwälder Holzschneflerei, die hier in genossenschaftlichem Betrieb ausgeübt wird und wirtschaftlich für die Talschaft segensreiche Bedeutung gewonnen hat.