Abb. 137. Gertelbachfälle.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 130].)

Am Wege vom Bahnhofe in die Stadt, dem jetzt die elektrische Trambahn nach Lichtental folgt, fällt uns an einer rechts abzweigenden Nebenstraße zuerst die Trinkhalle auf ([Abb. 139]), unmittelbar am Walde gelegen, aus dessen Düster die goldstrahlende Kuppel der griechischen Kirche hervorschimmert. Die Gegenstände der vierzehn Fresken in der offenen Säulenhalle sind dem Sagenschatze von Badens näherer und weiterer Umgebung entnommen. Das Konversationshaus mit seinen vornehmen Gesellschaftsräumen, vor ihm die Anlagen der Promenade und die an der Oos hinziehende Lichtentaler Allee ([Abb. 141]) mit ihren wunderbar schönen alten Bäumen, meist Ahorn und Linden, aber auch Eichen, bilden den eigentlichen Mittelpunkt des eleganten Badelebens. Dem Heilzweck dienen das im Inneren nach dem Muster altrömischer Badeanlagen gehaltene und nur von Männern zu benutzende Friedrichsbad ([Abb. 142]), im Jahre 1877 vollendet, und das noch jüngere Kaiserin-Augustabad (für Frauen). Beide Bauten sind Vertreter der italienischen Renaissance, hervorragend schön und in ihrer inneren Einrichtung so trefflich ausgestattet, daß sie jedem Bedarf und Anspruch entsprechen. Auch das Landesbad und das Ludwig-Wilhelm-Pflegehaus dienen Kur- und Erholungszwecken. Dazu kommen nicht wenig Privatsanatorien mit Einrichtungen allerart für jede Form von Heilmethoden. Baden ist eben tatsächlich nicht nur der Luxusort, als der es einem flüchtigen Besucher erscheinen könnte, es ist wirklich eine Kurstätte allerersten Ranges. Daß dem Kranken die zahlreichen, prächtig gepflegten Wege zum Fahren und Gehen zwischen den ungezählten schönen Villen und ihren Gärten, in der Talebene wie an den sanften Gehängen ihrer Einrahmung, in Anlagen voll reichster künstlicher Vegetation vielfach ganz südlichen Charakters, endlich im stillen, majestätischen Wald und auf den aussichtsreichen Höhen zu allen Seiten mit ein Hauptgenesungsfaktor sind, wie sie dem nicht erholungsbedürftigen Gaste dieses Paradieses zur unerschöpflichen Fundgrube immer neuer, immer schönerer Landschaftsbilder werden — das versteht sich von selbst. Ob wir vom Garten des Großherzoglichen Schlosses oder vom Turm der alten Burg Hohenbaden ([Abb. 143]) ins Tal herniederblicken, ob wir durchs Labyrinth der Felsen steigen, die Umgebung der Engels- und Teufelskanzel oder den höheren Merkur besuchen, um von hier ins nahe Murgtal abzusteigen, ob wir im Wald am Friesenberg umherschlendern oder uns über den Beutig zum Fremersberg oder zur Yburg wenden, um etwa durch die villenbesäten Tälchen von Tiergarten oder Gunzenbach zurückzukehren, ob wir Kloster Lichtental und die waldeinsame Fischkultur ([Abb. 144]) aufsuchen, oder irgendeinen anderen der vielen abwechslungsvollen Pfade einschlagen, überall ist dieselbe milde Schönheit über die Welt vor unseren Augen ausgebreitet, und je öfter wir all das genießen, desto lebhafter wird der Wunsch nach der Wiederkehr in diese lieblichen Gefilde. Ob Baden sich in der milden Herbstfärbung oder in strahlender Sommerpracht oder im Blütenschmuck des Frühlings am herrlichsten offenbare, wer wollte das entscheiden? Glücklich, wem es vergönnt ist, ab und zu still beglückte Tage oder auch nur Stunden in diesem Eden zu verleben und die Reize der einzelnen Jahreszeiten und ihrer Stimmungen gegeneinander abzuwägen.

Abb. 138. Oberbühlertal. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 129].)

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GRÖSSERES BILD]

XV. Murg- und Kinzigtal von Rastatt bis Hausach.

Rastatt. Murgtal.

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