Rippoldsau. Der Kniebis.
Unser Rautenweg gewinnt am Hundskopf hin (950 m) die See-Ebene (943 m), von wo wir östlich den stillen Glaswaldsee 100 m unter uns in träumerischem Frieden schimmern sehen ([Abb. 154]). Wir schneiden hier einen beliebten, durch neue Wege verbesserten Übergang von Peterstal nach Schapbach, erreichen dann die Holzwälder Höhe (966 m), wo wir auf den vielbegangenen Pfad Griesbach-Rippoldsau stoßen, und dann geht’s immer im stolzesten Hochwald hinauf zum Kniebis, den wir bei der Alexanderschanze (971 m) erreichen.
Wem es auf diesem Wege der Einsamkeit zu viel werden möchte, der fahre von Wolfach durch das belebte, sonnige Schapbach- oder Wolfachtal nach dem eleganten, trefflich eingerichteten Bad Rippoldsau (566 m, [Abb. 155]). Die Talbewohner in ihrer Tracht, die besonders am Sonntag das farbenfreudige junge Mädchenvolk recht hübsch erscheinen läßt, werden dem Besucher viel Freude machen ([Abb. 153]). Das wenig unterhalb des Bades gelegene „Klösterle“ war einst ein Priorat des Benediktinerstiftes St. Georgen, jetzt ist es Pfarrkirche für das obere Talgebiet. Ganz wunderbar schöne Wege zum Gehen und Fahren lassen uns durch den prachtvollen Wald nach dem unfernen Freudenstadt hinüber und hinauf auf den Kniebis gelangen.
Abb. 149. Die Schenkenburg im Kinzigtal.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 138].)
Abb. 150. Alpirsbach. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 138].)
Der Kniebis ist ein 8 km langer, rund 950 m hoher, wallförmiger Kamm; er nimmt im orographischen Aufbau des Schwarzwaldes eine ganz eigenartige Stellung ein, die nur noch ein einziges Mal ähnlich vorkommt, nämlich an der früher besprochenen, über 1000 m hohen Wasserscheide von der Kaltenherberge bis zum Turner. Während nämlich auf der über 160 km langen Strecke von Waldshut bis Durlach überall sonst im Schwarzwalde Flußläufe, die von Nord nach Süd oder von Süd nach Nord laufen, die so wichtige Ostwestverbindung von Schwaben nach der Rheinebene unmöglich machen oder doch ganz wesentlich erschweren, treten am Hohlengraben wie am Kniebis, durch welche Punkte die Längsausdehnung des Schwarzwaldes in drei nicht ganz gleiche Teile geteilt wird, östliches und westliches Gefälle unmittelbar aneinander heran; daher im ersteren Falle die oft umkämpfte Straße von der Donau nach Freiburg, im zweiten die aus dem Herzen des Neckarlandes nach Straßburg. Auf dem Kniebis ([Abb. 156]) treffen sich zwei Straßen aus dem Renchtal von Oppenau und Griesbach, eine aus dem Kinzigtal von Rippoldsau, und endlich die von Freudenstadt und dem schwäbischen Hügelland her. Daß man vor zwei Menschenaltern daran dachte, Freudenstadt zur deutschen Bundesfestung zu machen, erscheint hiernach ebenso verständlich wie die Tatsache, daß wir an der Stelle, wo die Griesbacher Straße die Kammhöhe gewinnt, die nach ihrem Erbauer Alexander von Württemberg genannte Alexanderschanze (1734) finden, während die Oppenauer Straße auf dem Kamm durch die im Dreißigjährigen Kriege erbaute Schwedenschanze und durch die aus dem Jahre 1796 stammende Schwabenschanze geschützt ist.