Abb. 174. Kaiser Wilhelm-Turm auf dem Hohloh.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 163].)

Berneck.

In einem weiter abwärts einmündenden Nebentälchen liegt das kleine Städtchen Berneck, geschützt von einer nicht großen, aber starken Burg, deren Bauweise geradezu als Lehrbeispiel dienen kann für die Art, wie solche kleine mittelalterliche Befestigungsanlagen hergestellt wurden. Die 3 m dicke Schildmauer ist noch gut erhalten. Ebhausen-Wöllhausen und Rohrdorf mit einem alten Deutschordensschloß haben ansehnliche Tuchfabriken, die für Belebung der Stadt und Eisenbahn in dem sonst weltfernen Waldtal der Nagold bis zur gleichnamigen Stadt hinab nicht unwesentlich beitragen.

Abb. 175. Enzklösterle. (Zu [Seite 165].)

Enztal. Wildbad.

Schlagen wir von der Besenfelder Gegend aus der Enz entlang eine nördliche Richtung ein, so kommen wir bald zum Stauweiher des Poppelsees, der früher den Zwecken der Holzflößerei diente; dann lichtet sich allmählich das Tal ein wenig, in Enzklösterle ([Abb. 175]) zweigen Straßen zum Hohloh und nach Altensteig ab, und immer dem munteren Flüßchen folgend dringen wir allmählich in die Bannmeile von Wildbad ein, dem bedeutendsten, neuerdings lebhaft aufgeblühten Badeort des Königreichs Württemberg.

Wildbad (427 m) ist eine hübsche Stadt von 4100 Einwohnern. Sie liegt zu beiden Seiten der Enz in engem Tal eingeschlossen. Auch hier ist der Tannenwald auf Buntsandsteinboden das herrschende Landschaftselement ([Abb. 177]). Unter dem Sedimentgestein, das in der Umgebung vielerlei groteske Verwitterungsformen zeigt, ist an der Talsohle da und dort der Granit sichtbar, aus dem die Thermen von 33 bis 37° C hervortreten. Die Badeeinrichtungen im großen und kleinen Badegebäude, im Katharinenstift, sowie in dem prachtvollen und hocheleganten König Karls-Bad ([Abb. 176]) sind mustergültig und stehen denen in Baden-Baden in nichts nach. Neuerdings sind die in allen Stücken vortrefflichen Badeeinrichtungen noch durch ein Männer- und Frauenschwimmbad in höchst wünschenswerter Weise vervollständigt worden. Die Stadt macht mit ihren öffentlichen Gebäuden, Gasthäusern und Villen besonders in der Umgebung des Kurplatzes, der Trinkhalle und des erst im Sommer 1910 vollendeten prächtigen Kursaalgebäudes, das allen Ansprüchen an erstklassige Etablissements dieser Art reichlich genügt, einen vornehmen Eindruck und bietet alles in reichstem Maße, was Erholungsbedürftige, auch zu den Zwecken der für den Kurgebrauch so unentbehrlichen Unterhaltung und Zerstreuung, brauchen.

Ort und Bad sind alt; der Überfall im Wildbad, den uns Uhland besingt, fällt schon ins Jahr 1367. 1838 ist Thermalwasser in größerer Menge neu erbohrt worden, so daß der moderne Aufschwung sich erst seit dieser Zeit einstellte, gefördert von der Gunst der württembergischen Könige und ihrer Regierung.