Melonenbäume, Kaffeestauden und andere Kulturpflanzen der Tropen im Gewächshaus der deutschen Kolonialschule in Witzenhausen a. d. Werra.

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GRÖSSERES BILD]

Tafel 42.

Fruchtladen auf Ceylon mit einheimischen Früchten, an der Schnur hängt eine Bananenstaude.

Fruchtladen in Südindien, oben hängen Ananas und Bananen, rechts an die Wand gelehnt ein Haufen Zuckerrohrstengel.

In ihrer nördlicheren Urheimat bezeichneten die Griechen mit dem Worte bálanos, wie die Römer mit glans, die einst auch dem Menschen zur Nahrung dienende Eichel, von der noch der einer hochkultivierten Zeit angehörende Plinius in seiner Naturgeschichte sagt: „Eicheln machen den Reichtum vieler Völker aus. Bei Getreidemangel werden sie getrocknet, gemahlen und zu Brot verbacken; in Spanien werden auch Eicheln zum Nachtisch aufgetragen. In Asche gebraten schmecken sie besser.“ Damit sind jedenfalls die Früchte der in Italien und auf der Iberischen Halbinsel wachsenden Speiseeiche (Quercus esculus) gemeint, während in Griechenland die Knoppereiche (Quercus aegilops) eine für anspruchslose Menschen eßbare und noch jetzt vom Landvolk gegessene Eichel hervorbringt. In der älteren Zeit wurden diese Eicheln nicht nur in Zeiten des Getreidemangels, sondern regelmäßig gegessen. So sagt der aus Askra in Böotien gebürtige griechische Dichter Hesiod im 8. Jahrhundert v. Chr.: „Wo gerechte Menschen wohnen, da ist Hungersnot unbekannt. Ihnen geben die Götter reichlichen Unterhalt, Eichen (drýs), die mit Eicheln (bálanos) beladen sind, Honig, Schafe.“ Und Herodot im 5. vorchristlichen Jahrhundert schreibt in seiner Geschichte: „Nach dem Tode des (um 820 v. Chr. lebenden Königssohns, der Sparta Gesetze gab und es dann verließ, ohne je wieder dahin zurückzukehren) Lykurgos wurden die Spartaner bald mächtig, bekamen Lust zu Eroberungen und fragten in Delphi an, ob sie wohl Arkadien (nördlich von Lakonien, dessen Hauptstadt Sparta war) erobern könnten. Die Pythia antwortete: ‚In Arkadien wohnen viel eichelverzehrende Männer, die werden euch zurückschlagen.‘“

Als die Griechenstämme in Hellas einwanderten, übertrugen sie begreiflicherweise das alte Wort bálanos (Eichel) auf verschiedene neue Früchte, unter denen sich auch die wilde Edelkastanie (Castanea esculenta) befand. Dieser Baum ist in einer kleinfrüchtigen Form in ganz Südeuropa heimisch und tritt uns auch weiter nördlich schon in vorgeschichtlicher Zeit entgegen. So finden wir sein Holz in Norditalien bei der Herstellung der bronzezeitlichen Pfahlbauten und Terramaren verwendet, und in den verkohlten Überresten der Terramaren der ältesten Eisenzeit aus dem Beginne des letzten vorchristlichen Jahrtausends ließen sich seine Früchte ebenfalls nachweisen. Auch auf der Iberischen Halbinsel reicht der Nachweis des Vorkommens von Kastanien bis in die Übergangszeit von der Stein- zur Bronzezeit zurück. Da nun die Früchte dieses Wildlings von den alten Griechen so wenig als von der heutigen Bevölkerung Griechenlands gegessen wurden, empfanden sie auch keinerlei Bedürfnis, diese Früchte mit besonderem Namen zu belegen. Erst als großfrüchtige ausländische Sorten in Griechenland aufkamen, mußte man unterscheidende Bezeichnungen für sie schaffen. Dabei behalf man sich damit, daß man sie zunächst einfach nach den Ländern ihrer Herkunft benannte.