Nun gibt es aber einen richtigen Bastard zwischen Orange und Zitrone, die man als süße Zitrone oder Limette bezeichnet. Sie hat kleine weiße Blüten, eine rundliche bis eiförmige Frucht und geflügelte Blattstiele. Das süßliche, etwas aromatische Fruchtfleisch wird roh oder gekocht gegessen und auch zum Einmachen verwendet. Da aber die Frucht weder die vollen Eigenschaften der Zitrone, noch diejenigen der Orange besitzt, hat sie keinen besonderen Wert und findet sich deshalb nur selten angebaut.
VII.
Die Gemüsearten.
Das Hackfeld, der Vorläufer des Ackerfeldes, auf dem die Körnerfrüchte als Hauptnahrungsmittel aus dem Pflanzenreiche gezogen wurden, ist so alt als die menschliche Kultur überhaupt; denn das ist ja das Kennzeichen der letzteren, daß sich in ihr der Mensch freigemacht hat von den Zufälligkeiten der Jagd und vorsorgend Nährfrüchte für kommende schmale Tage zieht. Viel jünger als das Hackfeld ist der als Garten bezeichnete eingehegte Teil des in Kultur genommenen Bodens, der die Gemüse genannten Nahrungspflanzen umschließt. Zum Begriff Garten gehört nun durchaus nicht der Begriff des Zierlichen, den er erst erlangte, als er zum Ziergarten wurde, sondern es ist das schlichte, eingehegte Pflanzland beim Hause, im Gegensatz zum offenen Acker. Das Wort steht begrifflich in enger Beziehung zum gotischen gairdan umgürten, einhegen. Dies Pflanzland in nächster Nähe des Hauses lag mit diesem zusammen in einer Umzäunung, deshalb wurde bei den Germanen der Völkerwanderungszeit ein Diebstahl aus demselben als Einbruch in eingehegtes Gut schwerer bestraft als ein solcher aus dem Acker.
Vom Gemüsegarten des Altertums ist uns im ganzen nur wenig bekannt; doch lernen wir in einer auf uns gekommenen Schilderung die in ihm gepflanzten Kräuter kennen. Es ist diejenige des Gärtchens eines einfachen römischen Landmannes zur Zeit des Augustus, worin der Dichter Vergil (78–19 v. Chr.), der berühmte Verfasser der Äneis, in einem bukolischen, moretum, d. h. „Mörsergericht“ benannten Gedicht sagt:
„Hier war Kohl, hier kräftig die Arme ausstreckender Mangold,
Hier weitwuchernder Ampfer und heilsame Malven und Alant,
Hier die süßliche Möhre und buschige Häupter des Lauches,
Hier auch grünte einschläfernd der Mohn mit kalter Betäubung,
Auch der Salat grünte, der labend die edleren Schmäuse beschließt.